Kunst-Doppelgänger für deutsche App-Nutzer, Panik für Facebook-Seiten und Liebe fürs #MuseumSelfie

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 23, 01/2018

– Frage des Monats: Wie findet man in Deutschland seinen Kunst-Doppelgänger? –
– Thema des Monats: Tschüss, Facebook-Reichweite! –
– Twitter des Monats: New New York Times –
– Instagram des Monats: Gerard Mas –
– Tumblr des Monats: Marc mag Museumselfies –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Wie findet man in Deutschland seinen Kunst-Doppelgänger?

 

In den USA löste die Google Arts & Culture App einen regelrechten Hype aus. „Is your portrait in a museum?“ fragt Google – und jeder möchte natürlich sofort die Antwort darauf wissen. Lädt der Nutzer ein Selfie hoch, durchsucht die App tausende digitalisierter Kunstwerke und findet eines, das ebenso aussieht wie der Nutzer – oder so ähnlich. In Deutschland bietet die App allerdings diese Funktion nicht an. Und wer nicht weiß, wie man mittels VPN einen Standort in den USA vortäuscht, wird erstmal nicht erfahren, wie sein Kunst-Doppelgänger aussieht.

 

Vorsicht im Umgang mit biometrischen Daten

Warum Google die Suchfunktion nach dem Kunst-Doppelgänger in Deutschland nicht anbietet? Der Grund dafür könnte sich in den US-Staaten Texas und Illinois finden lassen. Wer hier die Arts & Culture-App nutzt, kann sich nämlich mit seinem Selfie ebenfalls nicht auf die digitale Portraitsuche begeben. Texas und Illinois haben sehr strenge Datenschutz-Gesetze, welche auch die Nutzung biometrischer Daten regulieren. Dies betrifft auch das Scannen von Gesichtern und die Analyse und Nutzung dieser Daten. Aus ähnlichen Gründen könnte die Kunst-Doppelgänger-Funktion der Google Arts & Culture-App in Europa nicht verfügbar sein – zum Leidwesen hiesiger Museumsfans.

 

Zeitblick als Google-Alternative

Doch es gibt eine Alternative, wie man auch in Deutschland seinen Museums-Zwilling finden kann: die Zeitblick-App, die 2016 im Rahmen von Coding Da Vinci Nord entstand. Die App greift auf digitalisierte Portraits des MKG – Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zurück. Ebenso wie bei der Google Arts & Culture-App wird auch bei Zeitblick zu einem hochgeladenen Selfie per Gesichtserkennung ein Porträt zugeordnet. Die Zeitblick-App liefert dabei aber keine genauen Doppelgänger. Hier geht es eher um einen Vergleich von Kopfhaltung oder Gesichtsausdruck. Wem das zu ungenau ist, dem sei gesagt, dass auch die Google Arts & Culture-App keine exakten Ergebnisse liefert. Auch hier variieren die zugeordneten Portraits stark, je nachdem welche Kopfhaltung, Perspektive oder welcher Gesichtsausdruck auf dem hochgeladenen Selfie zu sehen ist.

⇒ Zeitblick-App für iOS

Zeitblick für Android

 

Zeitblick-App: Carl Ferdinand Stelzner: Anna Henriette Stelzner, Hamburg / David Octavius Hill: Dr. Monro, Professor of anatomy at Edinburgh, Großbritannien / Rudolph Dührkoop: Kopie eines Damenporträts / alle Bilder in der Sammlung des MKG – Museum für Kunst und Gewerbe HamburgZeitblick-App: Es muss kein Selfie sein, das zeigt die Zuordnung von Carl Ferdinand Stelzners Porträt von Anna Henriette Stelzner (links). Auch das Foto einer Statue funktioniert. Ihm wird das Bild von Dr. Monro zugeordnet, fotografiert von David Octavius Hill (Mitte). Und in einem Street Art Bild erkennt die Zeitblick-App Rudolph Dührkoops „Kopie eines Damenporträts“ (rechts). Alle Bilder der Zeitblick-App befinden sich in der Sammlung des MKG – Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

 


 

Thema des Monats

Tschüss, Facebook-Reichweite!

 

Es ist jetzt an der Zeit, in Panik zu verfallen! In Zukunft wird Facebook den Fans einer Seite deren Inhalte kaum noch anzeigen, wie jetzt am 11. Januar 2018 bekannt wurde. Wer findet, dass seine Reichweite jetzt schon im Keller ist – es kann nur noch schlimmer werden. Vielleicht sind bald organische Reichweiten von wenigen Hundert schon das Höchste der Gefühle – auch für Seiten mit mehreren Tausend Fans. Irgendwann wird man zu dem Schluss kommen müssen, dass es sich nicht mehr lohnt, als Institution viel Zeit für Facebook aufzuwenden. Es sieht ja eh keiner mehr. Vielleicht überlegt man auch, jetzt einen guten Teil seines Kommunikationsbudgets in Facebook-Werbung zu investieren. Die Reichweite, die einst von Facebook organisch geschenkt wurde, wird es in Zukunft nämlich wohl nur noch gegen Geld geben.

 

Panik, jetzt!

Jetzt gibt es drei Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen. Die erste haben wir schon genannt: Man sollte umgehend in Panik verfallen! Man könnte versuchen an ein Budget zu kommen, um sich bei Facebook ordentlich Reichweite zu kaufen. Und wenn man nicht weiß, wo man das Geld dafür hernehmen soll? Dann muss man sich leider mit dem Gedanken anfreunden, dass man bei Facebook in Zukunft nur noch Inhalte für sich selbst erstellt, die kaum noch jemand sonst zu sehen bekommt.

 

Wenn die Reinigungskraft zum Influencer wird

Die zweite Möglichkeit: Man nötigt jetzt alle Mitarbeiter, Freunde, Familienmitglieder, Nachbarn oder die Reinigungskraft dazu, Institutions-Inhalte bei Facebook mit ihren Privatprofilen zu teilen. Das Soziale Netzwerk wird seinen Algorithmus nämlich so anpassen, dass Postings von Personen bevorzugt angezeigt werden. Auch wenn die Person vielleicht nur 300 Freunde hat – sie könnte theoretisch trotzdem mehr Reichweite erzielen als eine Seite mit 30.000 Fans, wenn genug ihrer Kontakte mit dem Posting interagieren.

Jede umstehende Person zu bitten, Institutionsinhalte über das eigene Facebook-Privatprofil zu teilen, kostet vielleicht erstmal kein Geld. Man sollte aber beachten, dass die Reinigungskraft evtl. irgendwann sehr genervt sein wird, wenn sie ständig dazu aufgefordert wird, für ihren Arbeitgeber bei Facebook Werbung zu machen. Und wenn sie die Inhalte auf dessen Anweisung hin teilt, muss sie ihre Postings sogar wirklich als #Werbung kennzeichnen. Dazu ist sie nämlich rechtlich verpflichtet.

Was es noch zu beachten gibt, darüber schreibt Rechtsanwalt Thomas Schwenke:

⇒ Mitarbeiter als Markenbotschafter? – Rechtstipps für betriebliches Influencer-Marketing

 

Alles überall kommunizieren

Und die dritte Möglichkeit? Man sollte sich einfach nicht mehr zu sehr auf Facebook & Co. verlassen. Die Zeiten sind nun vorbei, in denen es bei Facebook ohne Geld gut voran ging. Auch Jonas Heide Smith, Head of Digital am SMK – Statens Museum for Kunst prognostiziert dazu: „[T]he current degree of disillusionment with important aspects of ’social‘ will have museum professionals fall back and regroup around decidedly un-fancy platforms such as websites, email newsletters and blogs.“ Für ihn sind Social Media Plattformen natürlich nicht tot. Aber Institutionen müssen diese in Zukunft anders nutzen als bisher. Er betont: „[W]hat social media will have reminded us and our organizations is that visibility, engagement, and dialogue is important – whereas the name or URL of the platform is not. We do not, and should not, care about who built what and we certainly should be utterly skeptical of the notion that museums must build everything themselves. We have understood that the only sensible distribution model is really ‚everywhere‘.“

⇒ Jonas Heide Smith: Might the past be the future for digital museum communication?


 

Twitter des Monats

New New York Times

 

Der Twitter-Account @NYT_first_said listet ungewöhnliche Begriffe und Neologismen aus der New York Times auf. Ergänzend dazu zeigt der Account @NYT_said_where den Kontext, in welchem die Worte erstmals in der Zeitung erschienen, inklusive Link zum entsprechenden Artikel. So tauchte der Begriff „cryptoart“ etwa zum ersten mal im Beitrag „Will Cryptocurrencies Be the Art Market’s Next Big Thing?“ vom 13.01.2018 auf. Und auch wer wissen will, wann die NY Times das erste mal den Begriff „Trolololo“ verwendete, wird hier fündig. Für „shithole“, quasi das Wort des Monats, lässt sich übrigens kein konkretes Beispiel finden – die Zeitung hat es bereits unzählige Male in der Vergangenheit in Artikeln genannt.

⇒ @NYT_first_said


 

Instagram des Monats

Gerard Mas

 

Der Bildhauer Gerard Mas zeigt auf seinem Instagram-Account, wie er Skulpturen im Renaissace-Stil mit einem modernen Update versieht. Was sich für eine Dame des 15. Jahrhunderts nicht geziemt hätte, steht bei Mas im Vordergrund: Bikini-Bräunungsstreifen, Nasebohren oder Kaugummi-Blasen machen.

⇒ @gerard_mas


 

Tumblr des Monats

Marc mag Museumselfies

 

Am 17.01.2018 fand wieder der weltweite #MuseumSelfie-Day statt. Museumsbesucher und besonders auch Museumsmitarbeiter fluteten Twitter und Instagram mit dem Hashtag und ihren Selfies – vor, mit oder sich spiegelnd in Museen und Kunstwerken. Passend zum Tag lieferten die Kulturfritzen nicht nur „7 Gründe, im Museum ein Selfie zu machen“. Der Initiator des Blogs, Marc Lippuner, steuert selbst auch einen passenden Tumblr mit jeder Menge Selfies bei.

⇒ Marc mag Museumselfies


 

⇒ alle MusErMeKu – Nicht-Newsletter – im Überblick

Header-Bild: Angelika Schoder – Typeholics für Elbphilharmonie, Hamburg, 2017

Ein Gedanke zu „Kunst-Doppelgänger für deutsche App-Nutzer, Panik für Facebook-Seiten und Liebe fürs #MuseumSelfie

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