Verzichtbare Social Media Manager, unbeliebte Museums-Apps und ein Bot für Inspector Barnaby

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 20, 10/2017

– Frage des Monats: Brauchen Museen keine Social Media Manager? –
– Thema des Monats: Was Jugendliche von Museen erwarten (Spoiler: keine Apps!) –
– Twitter des Monats: Midsomer Murders Bot –
– Instagram des Monats: Charlotte Love –
– Tumblr des Monats: Gluten Free Museum –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Brauchen Museen keine Social Media Manager?

 

Am 13. Oktober 2017 sorgte ein Tweet von KulturManagementNet im Rahmen von „museOnforscht 2017: Museumsarbeit lernen: Wen braucht das Museum?“ für Irritation. Er bezog sich auf ein vermeintliches Statement von Mirjam Wenzel, der Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt: „Wenzel: Beruf d Social Media Managers im Museum ist Fehlentwicklung. Team sollte Social Media selbst machen.“ Schnell entstand der Eindruck bei Twitter-Nutzern, hier würde der Beruf des Social Media Managers im Museum an sich infrage gestellt. Weitere Tweets im Verlauf der Diskussion verstärkten diesen Eindruck, etwa die Aussage: „Das sehe ich anders und empfehle Museen – mit, neben oder ohne professionellen SocialMedia-Manager – eine inklusive SocialMediaStrategie“.

⇒ Zum klärenden Statement von Mirjam Wenzel zur Diskussion

 

Aus der Diskussion bei Twitter heraus entstand so die Frage: Braucht ein Museum eigentlich keinen Social Media Manager, wenn in einer „inklusiven Social Media Strategie“ Museumsmitarbeiter aus anderen Bereichen Social Media nebenher betreuen? Der Historiker Michael Schmalenstroer schien diese Auffassung zu teilen, denn er kommentierte: „Wenn das Team wirklich begeistert von seiner Arbeit, seinem Thema und SocialMedia ist, dann merkt man das. Und dann läuft das“. So einfach ist es aber leider nicht. Begeisterung ist in der Tat wichtig, aber (digitale) Kommunikation erfordert deutlich mehr.

 

Digitale Kommunikation / Digitale Strategie

Digitale Transformation in Museen ist natürlich nicht damit abgeschlossen, einen Social Media Manager einzustellen, darauf verweist im Verlauf der Diskussion auch Mirjam Wenzel. Allerdings bedeutet digitale Transformation ja auch mehr als Social Media – und übrigens auch mehr, als eine App zu haben oder digitalisierte Sammlungsbestände. Kunsthistorikerin Anika Meier merkte dazu in der Diskussion bei Twitter an, dass bei den Museen, die hierzulande eine sogenannte Digitalstrategie vorlegen, es meist an der Praxis hapert. Es geht nicht nur darum, eine „Ideensammlung“ vorzulegen, wie Meier betont, sondern eine tatsächliche Strategie zu entwickeln. Diese ist letztendlich mehr als die Summe ihrer Teile, muss als Basis aber zunächst alle Bereiche eines Museums einbeziehen: Sammlungsmanagement, Vermittlung, Ausstellungsgestaltung etc. Jeder Mitarbeiter hat hier „seine eigene Baustelle“. Ein Social Media Manager kümmert sich dabei im Rahmen einer Digitalen Strategie um einen Teilbereich, und zwar um den Bereich Social Media – nicht mehr und nicht weniger.

Social Media Manager sind dafür da, die Museumskollegen hinsichtlich der digitalen Kommunikation zu entlasten. Sie nehmen fachliche Inhalte und persönliche Blickwinkel aus dem Team an und bereiten diese zielgruppengerecht für verschiedene Kommunikationskanäle auf – inhaltlich sowie technisch. Sie sind mit den sozialen Dynamiken und Mechanismen der vom Museum bespielten Kanäle vertraut, kennen die Communities und sind mit ihnen vernetzt. Sie beherrschen das technische Handwerkszeug (Software und Hardware), um Inhalte plattformgerecht zur Verfügung zu stellen und kennen die formalen Anforderungen, um externe Agenturen und Dienstleister zu steuern.

Social Media Manager sind auch mit rechtlichen Anforderungen vertraut, pflegen einen guten Kontakt zum Datenschutzbeauftragten der Institution und passen alle Kommunikationskanäle entsprechend den aktuellen datenschutzrechtlichen und urheberrechtlichen Vorgaben an. Und schließlich erarbeiten sie in erster Linie kontinuierlich crossmediale Strategien und Kommunikationskonzepte und sorgen dafür, dass Themen gesetzt und Inhalte koordiniert gespielt werden – inhouse oder als Schnittstelle zu Agenturen.

 

Berufsbild mit spezifischen Anforderungen

Jeder Museumsbereich hat seine spezifischen Anforderungen, erfordert Fachkenntnisse und kontinuierliche Weiterbildung. Kommunikation – ob online oder offline – unterschiedet sich hier nicht von Bereichen wie Museumspädagogik, Ausstellungsbau, Sammlungsmanagement oder Kuratorentätigkeit. Kein Bereich kann die Tätigkeit eines anderen „mal eben nebenher“ mitmachen. Dafür sind die jeweils notwendigen Kenntnisse zu umfangreich. In Museen müssen alle Abteilungen daher eng zusammenarbeiten. Kuratoren können nicht ohne den Input von Konservatoren planen, so wie sie auch auf Feedback von Ausstellungsbauern und Museumspädagogen angewiesen sind etc. Kein Bereich kann abgeschottet von den anderen arbeiten, wenn das Ergebnis am Ende ganzheitlich auf allen Ebenen funktionieren soll. Social Media Manager müssen ebenso als Mitglieder eines Teams im Museum arbeiten.

Das funktioniert, wenn alle Bereich des Museums dem Thema gegenüber offen sind und den zuständigen Social Media Kollegen ernst nehmen und ihn mit Inhalten versorgen – und auch seinen Rat einholen, wo dies notwendig ist. Das Ansehen von Social Media Managern innerhalb von Museen lässt sich aber nicht dadurch steigern, indem man alle Mitarbeiter dazu bringt, alles auch selbst umsetzen zu müssen. Vielmehr sollte man ein Bewusstsein dafür schaffen, wie komplex der Job des Social Media Managers ist. Nicht jeder muss sich mit den Aspekten eines Berufs auskennen, sonst könnte man von Bibliothekaren auch verlangen eine Ausstellung zu bauen, man könnte erwarten, dass Konservatoren ein museumspädagogisches Programm umsetzen, oder man müsste erwarten, dass Kuratoren auch mal die Personalabrechnung machen. Das würde wohl eher nicht passieren. Solange aber der Eindruck vermittelt wird, der Job eines Social Media Managers wäre damit getan „mal zu twittern“ oder „was bei Facebook zu posten“, solange wird der Beruf nicht ernst genommen. Und solange die Vorstellung besteht, dass Social Media gleichbedeutend mit Digitaler Transformation wäre, läuft ohnehin etwas sehr falsch.

 


 

Thema des Monats

Was Jugendliche von Museen erwarten (Spoiler: keine Apps!)

 

Das MOD. an der University of South Australia soll Australiens führendes, zukunftsorientiertes Museum werden. Ziel der Museumsmacher ist es, neue Ideen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst und Innovation zu präsentieren und zu fördern. Als primäre Zielgruppe will das Museum Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 25 ansprechen. Bei der Konzeption des Museums wurden daher von Beginn an Vertreter dieser Zielgruppe mit einbezogen, etwa durch Workshops, Dialog-basierte Programme, Umfragen und Fokusgruppen. Folgende Erkenntnisse konnte das Museumsteam hieraus gewinnen:

 

  • Für Jugendliche und junge Erwachsene ist das Gleiche in Museen und Ausstellungen wichtig, wie für ältere Besucher. Besonders wichtig sind Interaktivität, Emotionalität, eine spannende und visuell ästhetische Umsetzung und auch leichte Verständlichkeit von Inhalten.
  • Was die Zielgruppe überhaupt nicht anspricht ist veraltete Technik, langweilige und bereits bekannte Inhalte und die falsche Tonalität (z.B. zwanghafte „Jugendlichkeit“).
  • Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bevorzugen Funktionalität. Es muss nicht immer die neueste Technologie sein – und schon gar keine App! Tatsächlich fand das Planungsteam des Museums in Umfragen heraus, dass traditionelle Informationskanäle in Museen (Texte und Monitore) bevorzugt wurden. Apps wurden von der Zielgruppe als zu umständlich bezeichnet, ebenso wie alles, was mehrere Schritte erfordert, um an Informationen zu gelangen – etwa der Zugang über QR-Codes oder generell wenn Informationen noch über die Website abgerufen werden müssen.
  • Die jungen Museumsbesucher möchten nicht unter anderen Besuchern auffallen, zum Beispiel durch Aktivitäten, die Blicke auf sich ziehen. Sie wollen zudem nicht Museumsmitarbeiter nach Hilfe fragen müssen, sondern sich selbständig informieren. Und schließlich möchten sie Vermittlungsprogramme, die ihnen genug persönlichen Freiraum lassen und sie nicht bedrängen.

 

Das Museum passt seine Planung nun diesen Erkenntnissen an, wird aber auch weiterhin seine Zielgruppe intensiv mit einbeziehen.

⇒ Anika Johnstone, MOD. at the University of South Australia: What young adults want from a museum experience


 

Twitter des Monats

Midsomer Murders Bot

 

Inspector Barnaby lebt und arbeitet gefährlich! In der fiktiven englischen Grafschaft Midsomer Norton wird gemordet, was das Zeug hält. In jeder Folge der britischen TV-Serie „Midsomer Murders“ sterben oft gleich mehrere Menschen hintereinander. Glücklicherweise stellen diese schrecklichen Zustände in ländlicher Idylle aber bereits seit 1997 sicher, dass Barnaby als Inspector nicht arbeitslos wird.

Für alle Fans der Serie gibt es den „Midsomer Murders Plot Generator“ bei Twitter. Im 4-Stunden-Takt versorgt der Bot seine Follower mit für Barnaby „typischen Mordgeschichten“ im Kurzformat.

⇒ @midsomerplots


 

Instagram des Monats

Charlotte Love

 

Die Londoner Stylistin Charlotte Love verleiht ihren „Fotomodels“ eine Persönlichkeit – egal ob es sich dabei um ein Baguette handelt, um eine Klopapier-Rolle oder um Rosenkohl.

⇒ @charlottelovely


 

Tumblr des Monats

Gluten Free Museum

 

Ein Klassiker, den man nicht oft genug empfehlen kann: Das „Gluten Free Museum“. Der Tumblr zeigt bekannte Bilder der Kunstgeschichte oder Filmszenen – allerdings glutenfrei, also ohne Getreideprodukte.

⇒ Gluten Free Museum


 

⇒ alle MusErMeKu – Nicht-Newsletter – im Überblick

Header-Bild: Angelika Schoder – Berlin, 2009

3 Gedanken zu „Verzichtbare Social Media Manager, unbeliebte Museums-Apps und ein Bot für Inspector Barnaby

  1. Mirjam Wenzel Antworten

    Liebe Frau Schoder,

    leider waren Sie bei der Konferenz „#museonforscht 2017: Museumsarbeit lernen“
    selbst nicht anwesend, weshalb Sie mir zu Beginn Ihres Blogbeitrags auf Grundlage eines Tweets eine Behauptung unterstellen, die ich so nicht getroffen habe und auch nicht treffen würde. Es gibt nicht allzu viele Museumsdirektorinnen und -direktoren in Deutschland, die Social Media ebenso ernst nehmen wie ich, indem ich etwa Ihren Blogbeitrag kommentiere.
    In meinem Vortrag im Rahmen der besagten Tagung habe ich nicht etwa den Beruf des Social Media Managers in Frage gestellt, sondern die Problematik des Berufsfeldes und seines Status‘ am Museum gestreift. Viele Museen verfügen nicht über die notwendigen Ressourcen, um eigens einen Social Media Manager oder eine Social Media Managerin zu beschäftigen und suchen daher nach anderen Möglichkeiten, dennoch auf Social Media aktiv zu werden. In größeren Häusern, an denen die Position eines eigenen Social Media Managers eingerichtet wurde, machen die neu eingestellten Personen hingegen häufig die Erfahrung, die Klinken bei den inhaltlich verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen putzen zu müssen, um die Informationen zu bekommen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Wir haben uns in dem von mir mitbegründeten Social Media-Netzwerk Museum Think Tank Berlin jahrelang intensiv über diese Situation ausgetauscht und ich betrachte sie als eine Fehlentwicklung des Berufsfeldes „Social Media Management“ am Museum. Angesichts dieser Situation plädiere für eine integrative Social Media Strategie, an der auch Kuratorinnen, Kuratoren, Pädagoginnen und Pädagogen beteiligt werden. Nur durch eine ebensolche Strategie können die Social Media Kanäle auch die inhaltliche Arbeit des Museums widerspiegeln und online weiterentwickeln. Ich bin gerne bereit, mich mit Ihnen darüber auseinander zu setzen, wie eine ebensolche Strategie sinnvollerweise aussehen kann und inwiefern es sinnvoll ist, wenn die verschiedenen Kanäle und Plattformen von verschiedenen Personen bespielt werden – allerdings möchte ich Sie bitten, mir nicht Positionen zu unterstellen, von denen Sie eigentlich wissen sollten, dass ich sie nicht vertrete.

    Mit besten Grüßen
    Mirjam Wenzel

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Frau Wenzel,

      vielen Dank für den Kommentar und die Klarstellung. Es war tatsächlich das Missverständnis entstanden, es sei eine Fehlentwicklung, dass die Konzeption und Umsetzung von Inhalten für Social Media im Museumsbereich bei einer Person (oder Abteilung) liegt – und nicht quasi von allen übernommen wird. Das wäre nämlich in der Praxis einfach kaum umsetzbar, da für die strategische Planung von Social Media Inhalten, für ihre technische Umsetzung und Bereitstellung auf den Plattformen sowie für die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen mittlerweile Fachkenntnisse in einem Umfang benötigt werden, die „nebenher“ nicht mehr zu leisten sind. Alleine Facebook ändert ständig technische Gegebenheiten, führt neue Features ein, stellt neue rechtliche Fallstricke auf. Auch andere Plattformen sind kontinuierlich im Umbruch. Zudem muss der Kontakt zu Communities auf verschiedenen Plattformen stetig gepflegt werden – von Vorteil sind hier feste Ansprechpartner, die das „Soziale“ der Sozialen Medien erst ausmachen. Museen sind hier gut bedient, wenn sie einen (oder mehrere) Social Media Manager für diese Aufgaben einstellen können, die entsprechend qualifiziert sind, sich kontinuierlich weiterbilden und über ein gutes Netzwerk in die Communities hinein verfügen, dies pflegen und ausbauen.

      Natürlich haben aber nicht alle Museen die Kapazitäten, entsprechende Stellen zu schaffen. Wenn sie in Social Media dennoch aktiv sein wollen, müssen sie improvisieren – und letztendlich muss sich mindestens ein Mitarbeiter finden, der dies notgedrungen dann doch „nebenher“ zu seinem eigentlichen Aufgabenbereich mit übernimmt. (Oft nehmen sich Mitarbeiter dieser Aufgabe freiwillig oder sogar ohne Absprache mit der Leitung an, weil sie privat sehr aktiv auf bestimmten Social Media Plattformen sind. Letzteres kann aus rechtlichen Gründen im schlimmsten Fall nicht gut enden.)

      Wenn Museen ohne eigentliche Kapazitäten für Social Management dies trotzdem angehen wollen, müsste man empfehlen, sich dann nur auf einen Kanal zu beschränken und sich dort so gut wie möglich einzuarbeiten. Denn es ist besser, einen Social Media Kanal bestmöglich zu bedienen (und sich dort eine Community aufzubauen), als mehrere Kanäle anzulegen und diese dann nicht professionell bedienen zu können oder aus Zeitmangel nicht mit den Fans und Followern zu interagieren. Social Media verleitet gerne zum Experimentieren und „einfach mal machen“. Tatsächlich können schlecht bediente Social Media Kanäle (z.B. mit unpassendem Inhalt oder ohne Dialog) aber reputationsschädigend sein – oder rechtliche Probleme verursachen, wenn aus Unkenntnis gegen Datenschutzrichtlinien, gegen das Wettbewerbsrecht oder gegen Urheberrechte verstoßen wird. Dann ist es tatsächlich besser, nicht in Social Media präsent zu sein, weil die personellen Ressourcen es einfach nicht hergeben.

      Viele Grüße, Angelika Schoder

  2. Pingback: Kultur-News KW 43-2017 | Kultur - Geschichte(n) - Digital

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