Warum alle in Museen arbeiten wollen, obwohl diese bald von Facebook ersetzt werden

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 18, 08/2017

– Frage des Monats: Wollen „wir alle“ in einem Museum arbeiten? –
– Thema des Monats: Facebook ist der Niedergang aller Museen –
– Twitter des Monats: ArtsParts –
– Instagram des Monats: YouDidNotSleepThere –
– Tumblr des Monats: Can I have your Instagram name? –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Wollen „wir alle“ in einem Museum arbeiten?

 

Am 12. August 2017 veröffentlichte Marisa Schiele in ihrem Blog Museumswissenschaft einen Beitrag mit dem Titel „Warum wir alle in einem Museum arbeiten wollen – und sollten“. Der Blog richtet sich u.a. an (potenzielle) Studierende der Museumswissenschaften. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich logisch, dass wenn man einen entsprechenden Studiengang belegt, man auch in einem Museum arbeiten möchte.

Die Frage ist, ob sich wirklich alle Studierenden vor Studienantritt ernsthaft Gedanken darüber gemacht haben, wie die berufliche Situation im Museumsbereich aussieht. Was die Anzahl der offenen Stellen, der Befristungen und die tariflichen Eingruppierungen angeht, erscheint die Museumsbranche nämlich keinesfalls als attraktiver Arbeitgeber.

 

Jobangebote im Museumsbereich

Von den aktuell (Stand 13.08.2017) auf der Seite des Deutschen Museumsbunds ausgeschriebenen Stellenangeboten richten sich 50 an Bewerber mit einem kultur- bzw. geisteswissenschaftlichen Hintergrund. (Nicht berücksichtigt wurden hier Volontariate, Ausbildungen oder Minijobs). Bei 12 der 50 Stellen ist eine Promotion erwünscht oder Voraussetzung für eine Bewerbung. Bei 35 Stellen handelt es sich um befristete Beschäftigungen. 18 Stellen sind in Teilzeit zu besetzen.

Was die tarifliche Eingruppierung angeht, sind 16 Stellen mit TV-13 ausgeschrieben, 6 Stellen mit TV-11 und 16 Stellen mit TV-10 oder niedriger. Bei 7 Stellen wurde nach Gehaltsvorstellungen gefragt. Besonders die Tatsache, dass eine überwiegende Anzal der Stellen befristet ist, teils auf nur wenige Monate, ist erschreckend. Doch auch die vergleichsweise große Anzahl an Stellen, die mit einer tariflichen Eingruppierung von E-10 oder weniger ausgeschrieben ist, enttäuscht.

 

Finanziell bescheiden

Einige der auf der Seite des Deutschen Museumsbunds gebotenen Stellen wirken eher abschreckend. Sie erwecken den Eindruck, dass wer auch immer einen Beruf im Museum ergreifen möchte, am besten finanziell anderweitig abgesichert sein sollte – ob über die Eltern oder den Lebenspartner. Fakt ist, dass eine Tätigkeit im Museum teils nicht den nötigen finanziellen Rückhalt bietet, um in einer Stadt mit teuren Mieten wie Frankfurt, München oder Hamburg mit einem gewissen Standard leben zu können.

Irgendwann braucht man Perspektiven. Irgendwann möchte man vielleicht nicht mehr in einer WG wohnen und auch etwas Geld für den Notfall sparen können. Das geht mit einer TV-9 Stelle mit 50% nur schwer, ebenso wenig wie mit einer TV-5 Stelle, die für Bachelor-Absolventen infrage kommt. Gut, wenn man sich dann auf die Eltern oder den Partner verlassen kann und finanzielle Unterstützung im Rücken hat, etwa bei der Miete, für Reisen oder fürs Auto. Dann kann man sich unbeschwert seinem Traumjob widmen und muss sich wenig Sorgen machen, wenn dieser nicht gerade üppig bezahlt ist.

 

Flexibilität ist alles

Neben dem finanziellen Aspekt spielt auch das Thema Befristung hier eine große Rolle. Als Museumsmitarbeiter ist man am besten sehr flexibel. Das trifft nicht nur auf Arbeitszeiten zu, die sich aufgrund von Veranstaltungen auch gerne in die späten Abendstunden oder ins Wochenende ziehen können. Hut ab vor allen, die dies mit einer Familie unter einen Hut bekommen. Hinzu kommt aber eben auch das Thema der zeitlichen Befristung von Stellen.

Die aktuell beim Museumsbund ausgeschriebenen Jobs geben einen Einblick, dass unbefristete Stellen zurück gehen. Der Großteil der Jobs im Museumsbereich ist befristet, mal auf nur wenige Monate für ein Projekt, mal auf die Standard-Zeit von 2 Jahren. Was, wenn die Stelle ausläuft? Zieht man dann um – wieder durch halb Deutschland zum nächsten Job? Wie läßt sich das wiederum mit einem Partner oder der Familie vereinbaren?

 

Ein Traumjob für Idealisten

Bedingungslose Liebe zum Arbeitsinhalt, „Mut zur Veränderung“ und „Einmal um die Welt“ – Marisa Schiele nennt in ihrem Beitrag verschiedene Gründe, die viele an Museumsjobs faszinieren. Sie spricht auch an, dass finanzielle Aspekte kein Anreiz sind. Aber es geht eben nicht nur um eine finanzielle Absicherung und die teils schwierige private Vorsorge fürs Alter. Es geht auch um ein sicheres, stabiles und berechenbares Arbeitsumfeld. Und da hat der Museumsbereich mit seinen zunehmenden Befristungen deutliche Defizite.

Es beginnt bei Volontariaten, die immer befristet sind und bei denen höchst selten Aussicht auf Übernahme besteht. Aber nach dem Volontariat wird es manchmal nicht besser. Wer hofft, er müsste die oft nicht nur finanziell schwere Zeit im Volontariat einfach nur überstehen und hätte dann beste Aussichten auf eine unbefristete Vollzeitstelle im Museum mit gutem Gehalt, der wird bei einem Blick in die Stellenbörse des Museumsbunds vielleicht enttäuscht.

Wollen „wir alle“ also in einem Museum arbeiten? Wirklich?

 

⇒ Marisa Schiele,Museumswissenschaft: Warum wir alle in einem Museum arbeiten wollen – und sollten


 

Thema des Monats

Facebook ist der Niedergang aller Museen

 

Sorge um das Original

Sobald etwas digitalisiert wurde, kann man das Original vernichten. In Büros ist das häufig so: Ein Schriftstück wird eingescannt, die Datei dann in einer Datenbank oder auf dem Server abgelegt – das Original wird geschreddert. Das spart Platz und ist sehr praktisch. Man könnte fast den Eindruck bekommen, also ob Evelyn Vogel von der Süddeutschen Zeitung genau so ein Szenario befürchtet. Warum sonst hat die Ankündigung, dass am 14. August 2017 fünf internationale Museen Vincent van Goghs Sonnenblumen-Gemälde live via Facebook präsentieren würden, Frau Vogel zu dieser Frage verleitet:

„Unterläuft ein Museum nicht seinen Auftrag, den Menschen den Unterschied zwischen Original und Abbildung deutlich zu machen, wenn es einen Live-Stream – und mag er technisch noch so raffiniert sein – als Ersatz für den Besuch verkauft?“

 

Ein Ersatz für Museen?

Selbstverständlich! Ziel der Kooperation zwischen der National Gallery, dem Van Gogh Museum, dem Philadelphia Museum of Art, den Pinakotheken und dem Seiji Togo Memorial Sompo Japan Museum of Art war es schließlich nicht, fünf Bilder von van Gogh in einem einzigartigen digitalen Ausstellungsraum zu vereinen. Es ging nicht darum, Menschen auf der ganzen Welt Kunstwerke zugänglich zu machen, die sie in der Realität wohl nie gemeinsam an einem Ort sehen werden. Vielmehr ging es darum, den Menschen die Botschaft zu „verkaufen“, dass das Digitale ein „Ersatz für einen Museumsbesuch“ sei.

Sobald alle davon überzeugt sind, können sich die Museen nämlich daran machen, die Originalgemälde von van Gogh zu schreddern, damit mehr Platz ist. Die Museen werden dann auch gleich geschlossen. Ersetzt werden sie von der „Spionageplattform Facebook“, wie Kola Reichert das Netzwerk in seinem FAZ-Artikel nennt. Also die Bösen eben. Und dabei ist die Videoqualität hier nur auf „Amateurniveau“ – nicht so qualitativ hochwertig, wie das gute alte Fernsehen. Und weil bekanntlich das (Fernseh-)Video den Radio Star killte, müssen alle Museen dicht machen, weil hier nun Facebook-Live Videos gedreht werden.

Denn die Betrachter im Internet geben sich mit dem digitalen Abbild der Kunst zufrieden. Keiner wird auf die Idee kommen, eines der fünf an #SunflowersLive beteiligten Museen in Europa, Asien oder den USA jemals zu besuchen und sich die Sonnenblumen von van Gogh vor Ort anzusehen. Niemals!

 

⇒ Anika Meier, Monopol: Angst vor sozialen Medien. Kalendersprüche für Kulturpessimisten


 

Twitter des Monats

ArtsParts

 

Auch ArtsParts macht Kunstwerke digital zugänglich, und zwar via Twitter. Als Quelle dienen bisher die „Masterpiece Paintings“ des Metropolitan Museum of Art und die „Niederländischen Kupferstiche“ der Staatsbibliothek Hamburg.

Und so funktioniert’s: Sobald man mit seinem Twitter-Account bei ArtsParts eingeloggt ist, fügt man die Anwendung seinem Twitter-Profil hinzu. Danach kann man sich aus der Sammlung der Seite ein Bild aussuchen und hieraus einen „ArtPart“ auswählen. Dieser Bildausschnitt wird dann getwittert mit einem Link zum digitalen Original in ganzer Größe.

 

⇒ @OpenArtsParts


 

Instagram des Monats

YouDidNotSleepThere

 

Der Account @youdidnotsleepthere ist auf der Suche nach „Instagram’s most illogical campsites“. Hinter dem Account steht die 28-jährigen Kanadierin Louisa, die sich mit ihrem Projekt mittlerweile nicht nur Freunde gemacht hat. Sie zeigt Photoshop-Exzesse und inszenierte Szenen, die alles andere als authentisch sind. Nicht alles bei Instagram ist fake – die hier gezeigten Bilder allerdings schon.

 

⇒ @youdidnotsleepthere


 

Tumblr des Monats

Can I have your Instagram name?

 

Wer zuerst kommt, darf @nico heißen. Und da Nico Kaiser schon seit 2012 bei Instagram ist, hat er eben den Nutzernamen @nico. Zu seinem Leidwesen, aber auch zur allgemeinen Belustigung seiner Tumblr-Follower, wird er pro Woche etwa 5-20 mal mit der Frage kontaktiert, ob er seinen Account-Namen abgeben oder verkaufen würde. Die Chat-Verläufe, die Nico auf seinem Tumblr veröffentlicht, geben einen Einblick in die Abgründe der Psyche einiger Instagram-Nutzer…

 

⇒ Can I have your Instagram name?


 

⇒ alle MusErMeKu – Nicht-Newsletter – im Überblick

Header-Bild: Angelika Schoder – Toulouse, 2017

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