Faire Kulturarbeit, Wellness-Vampire und mittelalterliche Monster

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 16, 06/2017

– Frage des Monats: Braucht Kulturarbeit mehr Transparenz? –
– Thema des Monats: „A Cure for Wellness“ – Dracula und die Hohenzollern –
– Twitter des Monats: Damien Kempf –
– Instagram des Monats: Geometry Club –
– Tumblr des Monats: time trabble –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Braucht Kulturarbeit mehr Transparenz?

Einerseits sind viele Kulturinstitutionen auf ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen. Andererseits sollen die Institutionen aber auch den (wissenschaftlichen) Nachwuchs ausbilden, etwa in Form von freiwilligen Praktika, studentischen Pflichtpraktika oder im Rahmen von Volontariaten. Leider ist vielen Einrichtungen der Unterschied zwischen Ehrenamt und Ausbildung aber nicht ganz klar. Viele sehen nur die kostengünstige bzw. oft kostenlose Arbeitskraft und erkennen nicht die Pflichten, die damit verbunden sind.

Das University College London hat für sich einen Übersichtsplan entwickelt, um zwischen Praktika, studentischer Berufserfahrung und Freiwilligenarbeit zu unterscheiden und damit mehr Transparenz bei Stellenausschreibungen zu schaffen. Dieser Plan soll einen Überblick darüber geben, welche Art von Beschäftigungsverhältnis mit bestimmten Anforderungen an die Institution verbunden ist. Dabei geht es sowohl um die Inhalte einer Tätigkeit, als auch um die Bezahlung. So wird im Bezug auf Praktika etwa festgelegt, dass die Tätigkeit keine feste Stelle ersetzen darf und dass Praktika grundsätzlich vergütet werden müssen.

Museen und anderen Kulturinstitutionen entsteht oft die Notwendigkeit, sich für bestimmte Projekte Unterstützung ins Haus zu holen, um die zusätzlich entstehenden Aufgaben bewältigen zu können. Gibt es keine finanziellen Mittel, um entsprechende Projektstellen oder Werkverträge auszuschreiben, sind häufig Praktikanten oder Volontäre die einzige Möglichkeit. Wenn die mit den Projekten verbundene Arbeit aber die Kenntnisse und Fähigkeiten von Studierenden oder Absolventen überschreitet bzw. wenn schon gewisse Praxiserfahrungen vorausgesetzt werden, kann eigentlich nicht mehr von einer Ausbildung gesprochen werden. Eine Ausbildung sollte aber den Kern eines Praktikums oder eines Volontariats darstellen. Konsequenterweise müssten die Institutionen in den Fällen von ehrenamtlicher Arbeit sprechen – immer dann, wenn gering bezahlte oder unbezahlte Arbeiten vergeben werden, für die bereits umfangreiche Kenntnisse notwendig sind.

 

⇒ Precarious Workers Brigade / Carrot Workers Collective: Surviving Internships – A Counter Guide to Free Labour in the Arts / Download (pdf)

University College London: Internships, Work Experience and Volunteering Policy

⇒ Das Mindestlohnpraktikum, oder: Einhörner gibt es wirklich!


 

Thema des Monats

„A Cure for Wellness“ – Dracula und die Hohenzollern

Dieser Beitrag enthält Spoiler zum Film „A Cure for Wellness“

Ein junger Mann reist im Auftrag seiner Firma in ein fernes Land. Das Ziel seiner Reise: Ein abgelegenes Tal in den mitteleuropäischen Bergen, bevölkert von feindseligen Bewohnern. Ein merkwürdiger Chauffeur bringt den Mann zu einem Schloss, das über dem Tal thront. Dort trifft der Reisende auf einen Adligen, der – wie sich schließlich herausstellen wird – hunderte von Jahren alt ist und sich von der Lebensenergie von Menschen ernährt.

Was nach Bram Stokers „Dracula“ klingt, ist tatsächlich die Handlung von Gore Verbinskis „A Cure for Wellness“ (USA / D, 2016). Statt in die Karpaten geht es im Film des „Pirates of the Caribbean“-Regisseurs allerdings in die Schweizer Alpen. Und der blutsaugende Graf wird hier zum Lebenselixier-herstellenden Baron (gespielt von Jason Isaacs, der seit der Netflix-Serie „The OA“ für Wasserfolter-Rollen spezialisiert zu sein scheint).

Trotz einiger Abweichungen in der Story, kann „A Cure for Wellness“ als moderne „Dracula“-Adaption gesehen werden. Verbinski greift hier zahlreiche Motive von Stoker auf, angefangen von der bedrohlichen Beziehung zwischen dem jungen Büroangestellten (Dane DeHaan) und dem charismatischen Adligen, der seinen Gast gewissermaßen in seinem Schloss gefangen hält, bis hin zu dem Verhältnis des Barons zu seiner ebenso fast unsterblichen Geliebten. Wo Stoker in seinem „Dracula“-Roman offen lässt, ob es sich bei den Vampir-Frauen im Schloss um seine vampirischen Schwestern, Töchter oder Bräute handelt, vermischt Verbinski alle drei Rollen in der Figur der Hannah (Mia Goth).

Gedreht wurde „A Cure for Wellness“ an Schauplätzen in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Als Schauplatz für das Schloss, in dem sich die grauenhaften Ereignisse abspielen, diente die Burg Hohenzollern bei Bisingen in der Schwäbischen Alb. Das Gebäude, das nach einer Umgestaltung im 19. Jahrhundert im heutigen Zustand als ein typisches Beispiel der Neugotik gilt, wurde für die Dreharbeiten im Juli 2015 extra für die Öffentlichkeit gesperrt. Am Ende der Dreharbeiten lud Schlossherr Georg Friedrich Prinz von Preußen den Regisseur Gore Verbinski und den Geschäftsführer der Studio Babelsberg, Henning Molfenter, übrigens noch ein, im Gästebuch der Burg Hohenzollern zu unterschreiben.

 

Peter Bradshaw, The Guardian: A Cure for Wellness review – cult status beckons for mesmeric chiller

⇒ Mehr zu den Hohenzollern bietet aktuell der von Tanja Praske organisierte #HohenzollernWalk, der am 1. Juli 2017 auf der Cadolzburg nahe Nürnberg stattfindet. Auch die Kulturfritzen begeben sich auf die Spur der Hohenzollern, und zwar unter #HohenzollernDOM, ebenfalls am 1. Juli 2017 in Berlin.


 

Twitter des Monats

Damien Kempf

Für mehr Monster in der Twitter-Timeline: Damien Kempf ist Historiker für Mittelalterliche Geschichte an der University of Liverpool und twittert täglich die skurrilsten Bilder aus Manuskripten und Gemälden des Mittelalters. Meist sind es gehörnte Teufel, absurde Tierwesen oder umtriebige Skelette. Zum 4. Mai, dem #StarWarsDay kommt außerdem jedes Jahr der beliebte Mittelalter-Yoda zum Einsatz.

 

@damienkempf

British Library, Medieval manuscripts blog: Ready are you? More medieval „Yodas“


 

Instagram des Monats

Geometry Club

Der minimalistische schwarz-weiß Instagram-Account Geometry Club konzentriert sich auf Architekturfotografie, genauer gesagt auf Gebäude-Ecken. Diese ragen wie Pyramiden in den Himmel und zeigen eine faszinierende Vielfalt an Strukturen und Architekturstilen. In seiner Gleichförmigkeit erinnert der Account sehr stark an die Fotografien von Bernd und Hilla Becher, die noch bis zum 13.08.2017 im Frankfurter Städel-Museum gezeigt werden. Mit dem Hashtag #geometryclub können Instagrammer sich am Account beteiligen.

 

@geometryclub

Anika Meier, Monopol – Magazin für Kunst und Leben: Instagram und die Neue Übersichtlichkeit. Was ist bloß aus der Fotografie geworden?


 

Tumblr des Monats

time trabble

Die Inspiration für seine Comics nimmt Mikey Heller von überall her, „the dumber the better“, wie er in seinem Tumblr selbst schreibt. Der in New York lebende Comedian und Comic-Zeichner ist Mops-Fan und schreibt für die Cartoon Network Serie „We Bare Bears – Bären wie wir“. In seinen Comics, die ein bisschen an Katz & Goldt erinnern, geht es um den „Coolest Guy on the Beach“, der einen kleinen Hund datet oder um gute Gründe, warum man Platten von The Smiths kaufen sollte…

 

time trabble


 

⇒ alle MusErMeKu – Nicht-Newsletter – im Überblick

Header-Bild: Angelika Schoder – Saint-Denis, 2017

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