Inkompetente Blogger, merkwürdige Museen und ist das überhaupt Kunst?

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 15, 05/2017

– Frage des Monats: Sind Blogger ausnahmslos inkompetent? –
– Thema des Monats: Die merkwürdigsten Museen der Welt –
– Twitter des Monats: Art Sorter –
– Instagram des Monats: Chelsea E. Manning –
– Tumblr des Monats: Dispatches from the Stacks –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Sind Blogger ausnahmslos inkompetent?

Rechtschreibung können sie überhaupt nicht. Ihre Beiträge bestehen fast nur aus hübschen Bildern und dazwischen ist nur ganz wenig Text. Und der ist eben auch noch mit falscher Interpunktion und Buchstabendrehern gespickt. Dass sie Überschriften nutzen, die Aufmerksamkeit wecken, ist schrecklich schlimm. Blogger: Man möge alle stoppen, die einfach so ins Internet schreiben dürfen!

Das Web 2.0 ist für manche etablierte Journalisten und publizierende Intellektuelle ein Problem. Plötzlich gibt es Konkurrenz. Diese Konkurrenz hat oft keinen Hochschulabschluss, keine Schreibausbildung und erreicht dennoch ein interessiertes Publikum. Denn diese Konkurrenz schreibt für Menschen, die ebenfalls oft keinen Hochschulabschluss haben und keinen Wert darauf legen, Texte zu lesen, die bis ins Letzte zurechtgeschliffen wurden. Sie mögen es subjektiv und emotional – warum auch nicht?

Nun könnten gewisse etablierte Journalisten und publizierende Intellektuelle, die sich an den Bloggern zu stören scheinen, diesen Umstand einfach hinnehmen. Es entsteht ihnen Konkurrenz um eine Zielgruppe, die sie ohnehin nie erreicht haben und nie erreichen würden. Sie nehmen es aber nicht hin. Es geht um die Deutungshoheit über bestimmte Kulturgüter, etwa Literatur. Darüber äußern sollten sich, so der Anspruch dieser selbsternannt-anspruchsvollen Autoren, doch bitte nur Leute vom Fach – und nicht jeder Dahergelaufene.

Das Problem an der Sache: Viele Blogger interessiert diese Haltung ihrer Kritiker nicht wirklich. Während sich die erwähnten Frauen und Männer „mit Qualitätsanspruch“ vor ihren Computern über digitale Schreiberlinge echauffieren, tippt die gescholtene Riege der Blogger lieber den nächsten Beitrag ins Netz – zur Not direkt vom Smartphone aus. Das Ergebnis mag zwar mitunter sehr subjektiv und häufig auch recht emotional geschrieben sein. Es wird im Zweifelsfall aber auch einfach von einer gänzlich anderen Zielgruppe gelesen. Und diese interessiert sich weder für nölige FAZ-Artikel (Katharina Wilhelm: Reiseblogs. Dauerpräsent und hypersubjektiv), noch für herablassende Beiträge in der WELT (Marc Reichwein: Der Tobi von lesestunden.de sucht ein N).

 

⇒ Katharina Herrmann, 54books: Zur Kritik des normierten Lesens


 

Thema des Monats

Die merkwürdigsten Museen der Welt

Wer braucht schon den völlig überlaufenen Louvre? Hätte die müde schmunzelnde Mona Lisa die Wahl, sie würde vielleicht auch lieber im Museum of Happiness abhängen. Hier dreht sich in interaktiven Ausstellungen, Workshops und Events alles um Fröhlichkeit und Zufriedenheit. Das Museum möchte seinen Besuchern in erster Linie vier Aspekte vermitteln: Freundlichkeit, Gemeinschaft, Kreativität und Achtsamkeit.

Die klassischen Museumsprinzipien wie Sammeln, Bewahren und Forschen stehen hier vielleicht nicht so im Vordergrund. Statt dessen wird gesungen, getanzt, Lach-Yoga geübt oder Origami gefaltet. Dafür ist es eben kein Museum wie jedes andere.

Mehr über das Museum of Happiness

 

Mehr merkwürdige Museen:

⇒ art – Das Kunstmagazin: Eiscreme, Sex und Socken. Die merkwürdigsten Museen der Welt


 

Twitter des Monats

Art Sorter

Das Internet konfrontiert uns tagtäglich mit einer Fülle von Kreativität und Originalität. Orientierung wäre hier hilfreich – aber wie kann man unterscheiden, was hier Kunst ist und was nicht? Kathrin Passig und Gregor Weichbrodt haben jetzt die Lösung für dieses Problem entwickelt: Ein Bot, der Ordnung in das Kunst-Chaos bringt. Mithilfe der Google Vision API unterscheidet Art Sorter zwischen Kunst und Nicht-Kunst – ein für allemal. Die Ergebnisse der Sortieraktivitäten gibt es bei Twitter.

 

⇒ @artsorter 

Ist es Kunst? The computer says „no“!

Zum Quiz


 

Instagram des Monats

Chelsea E. Manning

#chelseaisfee – und jetzt auch bei Instagram. Sie hat die Haare schön, feiert mit Champagner und fettiger Pizza. Solche Alltäglichkeiten bei Instagram zu posten, ist für viele heute das Normalste der Welt – für Chelsea Manning ist es das jetzt auch. Bei Twitter sind die Likes für ihre Fotos zwar noch immer um ein vielfaches höher als bei Instagram, aber das kann ja noch werden…

 

⇒ @xychelsea87


 

Tumblr des Monats

Dispatches from the Stacks

Schokolade in Form eines Krokodils, in Schweine-Form oder als Opossum? Für den amerikanischen Schokoladenhersteller Hawley & Hoops kein Problem, wie eine Werbung aus dem Jahr 1914 zeigt. Entdeckt wurde die Werbung im „Quartermaster Depot“ der National Archives von Philadelphia. In einem Tumblr gräbt das Archiv regelmäßig die ungewöhnlichsten Schätze aus.

 

⇒ Dispatches from the Stacks


 

⇒ alle MusErMeKu – Nicht-Newsletter – im Überblick

Header-Bild: Angelika Schoder – Berlin, 2010

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