Instantnudeln im Museum, Protest-Selfies und Spaß mit Obst

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 12, 02/2017

– Frage des Monats: Was machen Instantnudeln im Museum? –
– Thema des Monats: Protest-Selfies –
– Twitter des Monats: Hourly Fox –
– Instagram des Monats: Fruit Stickers –
– Tumblr des Monats: The Absent Photographer –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Was machen Instantnudeln im Museum?

Aus Studenten-Haushalten sind sie nicht wegzudenken. Ebenso schwören Junggesellen mit dem Hang zu Glutamat und der Angst vorm Geschirrspülen auf sie: Instantnudeln. Deckel auf, Kochendes Wasser in den Plastikbecher, undefinierbares Pulver mit dem „Geschmack Ente“ einrühren, fertig. Erfunden hat sie der Japaner Ando Momofuku und seit ihrer Markteinführung 1958 haben sie wahrscheinlich schon Millionen von Menschen das Leben gerettet. Wie sollten sich sonst diejenigen ernähren, die nichts kochen können, außer heißes Wasser? Instantnudeln sind Kulturgut, kein Wunder also, dass ihre Geschichte jetzt in einem Museum beleuchtet wird.

Das Linden-Museum Stuttgart holt mit „Oishii! Essen in Japan“ die Instantnudel ins Museum. In der Ausstellung geht es nicht nur um Reisanbau, Fischfang oder die Herstellung von Sake, sondern eben auch um die schnelle Nudel aus dem Becher. Laut einer Studie von 2014 wurden weltweit übrigens 1.03 Billionen Portionen Instant-Nudelsuppe konsumiert. Weltmeister im Verzehr sind die Koreaner mit einem pro-Kopf Verzehr von 72, 5 Portionen im Jahr. Japaner belegen mit 43,3 Portionen hingegen nur den sechsten Platz – wahrscheinlich, weil sie zu viele Alternativen haben. Welche das sind, zeigt das Linden-Museum noch bis 23. April 2017.

 

Linden-Museum Stuttgart: Oishii! Essen in Japan


 

Thema des Monats

Protest-Selfies

Anlässlich des vergangenen Holocaust Memorial Day am 27. Januar 2017 initiierte der World Jewish Congress die Kampagne #WeRemember. Auf verschiedenen Sozialen Netzwerken postierten dazu bekannte Persönlichkeiten, aber auch Privatpersonen, mit einem Schild in den Händen, auf dem gedruckt oder handgeschrieben „We Remember“ oder wahlweise „I Remember“ zu lesen war. Außer der Verbreitung bei Instagram, Facebook & Co. wurden die unter dem Hashtag #WeRemember veröffentlichten Bilder zum Holocaust-Gedenktag auch an das Krematorium II im ehemaligen Vernichtungslager Birkenau projiziert. Ziel war es, mit der Aktion auf den steigenden Antisemitismus in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Dabei konzentrierte man sich auf Social Media Plattformen, um „diejenigen zu erreichen, die nicht viel über den Holocaust wissen oder die anfällig sein könnten für diejenigen, die ihn leugnen“, so WJC-Geschäftsführer Robert Singer.

Die #WeRemember-Selfies, bei denen es sich eigentlich nicht um Selfies handelt, da sie nicht von der gezeigten Person selbst fotografiert wurden, erinnern an das Konzept der „Protest-Selfies“. Hierbei handelt es sich um eine Form des sogenannten „Hashtag-Aktivismus“. Die Protest-Selfies, begleitet von einem bestimmten Slogan oder Hashtag, wurden in den letzten Jahren als eine Form des Protests genutzt, als virtuelle politische Demonstration. Bekannte Beispiele sind #FreeAJStaff – Journalism is not a crime gegen die Inhaftierung von Al Jazeera Journalisten im Dezember 2013 oder #BringBackOurGirls gegen die Entführung von 273 Schulmädchen durch Boko Haram im April 2014. Diese Aktionen zeigen, dass das Konzept des (Selbst-)Portraits nicht zwangläufig mit Aspekten wie Narzissmus oder Oberflächlichkeit verbunden ist, sondern diese Form der Selbstdarstellung auch als Protest, als Auflehnung oder als Selbstbestimmung fungieren kann.

 

Kerstin Schankweiler: Selfie Protest, In: The Nomos of Images


 

Twitter des Monats

Hourly Fox

Geht es um Tierschutz, versteht das Internet keinen Spaß. Überzogen Vegetarier und Veganer eine Bank noch vor ein paar Jahren mit einem Shitstorm, weil diese mit einem Basketball-Spieler in einer Metzgerei warb, war es in diesem Monat eine Veganerin, die mit der krassen Reaktion einiger „Besorgter Internet-Bürger“ zu Kämpen hatte. Die Frau hatte (vielleicht im Scherz, vielleicht ernsthaft) das Glockenspiel des Limburger Rathauses kritisiert, weil im Lied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ der Fuchs am Ende mit dem Gewehr attackiert wird. Prompt hagelte es für sie Beschimpfungen und Anfeindungen. Das „schöne deutsche Liedgut“ vs. der arme Gevatter Fuchs. Seelenfrieden vor diesem Wahnsinn findet man wie immer nur bei Twitter.

 

@hourlyfox


 

Instagram des Monats

Fruit Stickers

Manche Menschen sammeln die verrücktesten Dinge, zum Beispiel diese bunten Aufkleber auf Obst. Wer hat nicht schon einmal in seinem Obstsalat in der Kantine einige Überreste davon gefunden und sich dann gefragt, wie viel davon man schon unbemerkt gegessen hat? Wer die Obststicker lieber sammelt statt versehentlich mitisst, für den bietet die Website FruitStickers sogar einen Jahresplaner: „Simply collect one fruit sticker a day to build your own unique stockpile of these little masterpieces of everyday design.“ Wir wären sofort dabei, aber der Planer für 2017 ist leider schon ausverkauft. Bleibt also erst mal nur einer der merkwürdigsten Instagram-Motto-Accounts, die man kennen sollte – zumindest als Obst-Fan.

 

@fruit_stickers


 

Tumblr des Monats

The Absent Photographer

Wie cool muss es sein, in einem Auto durch die ganze Welt zu fahren? Und Google zahlt auch noch den Spaß – zumindest wenn man dabei Bilder für Google StreetView macht. Wer zu faul ist, sich selbst durch Google StreetView zu scrollen, findet die schönsten Aufnahmen in einem Tumblr.

 

The Absent Photographer


 

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Header-Bild: Angelika Schoder – Sevilla, 2017

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