Wenn Shakespeare bei Instagram scheitert und Beyonce auf Kunst-Memes trifft

MusErMeKu – Nicht-Newsletter – Nr. 10, 12/2016

– Frage des Monats: Wie Shakespeare ist Instagram? –
– Thema des Monats: Kunst und Kultur-FakeNews –
– Twitter des Monats: Zeitungsschnipsel –
– Instagram des Monats: Artwatchers United –
– Tumblr des Monats: Beyonce Art History –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Wie Shakespeare ist Instagram?

Romeo und Julia sind bei Instagram. Das British Council setzte im Dezember eines der bekanntesten Stücke von Shakespeare auf der Social Media Plattform um, in Kooperation mit dem National Youth Theatre. Die Bühnenproduktion „Romeo and Juliet“ wurde für Instagram abgewandelt, wobei die wichtigsten Handlungswendungen zwar in 33 kurzen Video-Sequenzen gezeigt werden, die Bildbeschreibungen geben das Stück aber „in an ‚Instagramm-y’ way“ wieder, wie es in der Projektbeschreibung heißt. Das klingt zunächst hochnot-peinlich, nach unrealistischer Jugendsprache und einer Wagenladung voller Emojis. Glücklicherweise ist das bei Romeo und Julia nicht der Fall – leider war dies im Projekt #ShakespeareNoFilter aber nicht immer so.

 

„A Midsummer Night’s Dream“

Im August startete das British Council auf seinem Instagram-Account @britishcouncileurope mit „A Midsummer Night’s Dream“. Erzählt wird die Geschichte von Lysander, Hermia und Demetrius, die Mitglieder der Indie Band „The Biologicals“ sind. Sie touren durch Europa, reisen von London nach Athen und spielen unterwegs Konzerte und feiern bei Festivals. Begleitet wird die Band von PR-Frau Helena und von Puck, die keine Party auslässt.

So gut die Idee hinter dem Projekt auch ist, Shakespeare unter dem Hashtag #ShakespeareNoFilter den Instagram-Usern näher zu bringen, so gewöhnungsbedürftig war die Umsetzung – vorsichtig formuliert. Die Geschichte beginnt mit einem Band-Foto und dem Text: „Hey guys, Lysander here!! Hermia, Demetrius and I are the #Biologicals (Foto-Emoji) by our manager @Egeus.Lives)“ – Der erwähnte fiktive Manager hat sogar einen eigenen Instagram-Account, ebenso wie für einige weitere Nebenfiguren auch eigene Accounts angelegt wurden. Es folgen Postings über Tour-Pläne, Selfies, Festival-Bilder, WhatsApp- und Facebook-Screenshots sowie Snapchat-Videos. Die Bildtexte sind wahnsinnig tiefgründig und skakespeare-esque, etwa „Just caught Demetrius practising his posing!!! (drei vor Lachen weinende Emojis) I bet our manager @Egeus.Lives has got him perfecting that #pout before we go on tour! (pfeifendes Emoji) #FrontMan #Poser #DuckFace #BlueSteel – Lysander“. Tja, #yolo! Dass das erste Projekt von #ShakespeareNoFilter nicht wirklich gut bei den Instagram-Nutzern ankam, zeigen die Interaktionen auf der Plattform: Die Bilder zu „A Midsummer Night’s Dream“ erhielten teils unter 50 Likes. Auch Kommentare gibt es nur wenige oder keine.

 

„Hamlet“ in Hamburg

Nichts desto trotz: #ShakespeareNoFilter wurde bei Instagram fortgesetzt, diesmal mit „Hamlet“. Hamlet ist ein 29-jähriger Designer beim Hamburger Magazin „G-Trude“. Der machthungrige Redakteur Claudius hat das Unternehmen übernommen, nachdem Hamlets Vater, der Leiter von „G-Trude“ gestorben ist. Schließlich erhält Hamlet anonyme WhatsApp-Nachrichten mit Hinweisen auf die Todesursache seines Vaters, vermeintlich vom Verstorbenen selbst.

Im Fall von „Hamlet“ wirkt die Inszenierung strukturierter, die Bildsprache ist klarer als beim Vorgänger-Stück und auch der Instagram-Stil scheint besser getroffen. Dennoch war auch diesmal die Reichweite kaum besser, die Bilder haben teils unter 50 Likes und selbst die Videos kommen kaum über 250 Views. Vermeintlich schwer erklärbar, immerhin berichtete der NDR anlässlich des „Hamburger Hamlets“ sogar über das Projekt #ShakespeareNoFilter.

Im NDR-Artikel wird übrigens darauf verwiesen, dass „A Midsummer Night’s Dream“ ein Erfolg gewesen sei, fünf Millionen Menschen hätten sich das Instagram-Stück angesehen. Die Zahl ist interessant, denn zählt man die Bild-Likes bei Instagram zusammen, kommt man auf 3.076 Likes der 59 Bilder, im Durschnitt also knapp 52 Likes pro Bild. Hinzu kommen 4.636 Views der 23 Videos, im Durchschnitt damit knapp 202 Views pro Video. Hochgerechnet käme man damit auf etwa 16.564 Views der 82 Postings bei Instagram, allerdings nur wenn man davon ausginge, dass jeder Post von komplett unterschiedlichen Menschen gesehen worden wäre. Tatsächlich wird es sich aber um eine relativ deckungsgleiche Follower-Gruppe handeln, die eher aus wenigen hundert Menschen besteht. Fragt sich, wie die in der Presse kommunizierte Zahl von fünf Millionen erreichten Menschen zustande kommt. Vielleicht wurde zur Reichweite bei Instagram der Traffic auf der British Council Website hinzugerechnet, auf der die Instagram-Bilder embedded sind. In dem Fall fragt man sich aber, warum der Umweg über Instagram genommen wurde – man hätte die Inhalte gleich auf der Website posten können. Eine international erfolgreiche Kultur-Kampagne bei Instagram sieht jedenfalls anders aus.

 

British Council: #ShakespeareNoFilter


 

Thema des Monats

Kunst und Kultur-FakeNews

Im Dezember köchelte die Debatte um FakeNews weiter vor sich hin. Schlimm genug, dass laut einer Studie der Stanford History Education Group über 80% der befragten Jugendlichen Native Advertising, also Werbung, nicht von Nachrichten unterscheiden konnten. Handelt es sich bei den Nachrichten dann auch noch um Meldungen mit falschen Behauptungen, wird die Angelegenheit noch komplexer. Selbst die Kunstwelt ist vor FakeNews nicht sicher, dies wurde vor kurzem von Hyperallergic aufgezeigt.

Im November und Dezember 2016 wurden Beiträge in Sozialen Netzwerken geteilt, die behaupteten, eine Skulptur der Künstlerin Ursula von Rydingsvard hätte bei 17 FBI-Agenten für Erkrankungen gesorgt. Die „Allergie auf Kunst“ war eine sehr klick-freundliche Meldung. Das Kunstwerk, um das es geht, ist eine 750.000 Dollar teure Skulptur mit dem Titel „Cedrus“, die aus 15.000 Pfund Western Red Cedar Holz besteht und Anfang 2015 in einem FBI-Gebäude aufgestellt worden war. Kurze Zeit später erkrankten 17 der rund 1.000 FBI-Angestellten im Gebäude und einige Medien behaupteten prompt, es handele sich um eine allergische Reaktion auf das Holz der Skulptur. Nachdem die Skulptur deinstalliert und ausgiebig getestet wurde, konnte jedoch keine Gesundheitsgefährdung festgestellt werden.

 

Benjamin Sutton, Hyperallergic: Did an Ursula von Rydingsvard Sculpture Really Make 17 FBI Agents Sick?


 

Twitter des Monats

Zeitungsschnipsel

Es sind kleine Weisheiten aus Zeitungsschnipseln, die @schnipsels zusammentwittert, z.B. „eine Walnuss ist eigentlich immer in Aufbruchstimmung“, „eine Diskussion mit dem Sensenmann endet immer mit einem Totschlagargument“ oder auch „wenn ein Vorwurf sowieso im Raum steht, kann er ihn auch gleich aufräumen.“ Hinter dem Account steht der Österreicher Mario Grabner, der als Komponist scheinbar nicht nur ein Talent für Noten, sondern auch für die Kombination von Buchstaben hat.

 

@schnipsels 


 

Instagram des Monats

Artwatchers United

Menschen, die auf Kunst starren: Der Account @artwatcher_united versammelt Museums- und Galerie-Besucher aus aller Welt, die selbst zum Motiv wurden. Der Account repostet Beiträge anderer Instagrammer, wobei aber stets der Fotograf und teils auch der Kunstbetrachter verlinkt werden. Zudem ist es dem Account wichtig, auch das betrachtende Werk und den dazugehörigen Künstler zu nennen. Gründerin des Instagram-Accounts ist Charlotte van den Berg (@charlottevandenberg), kuratiert wird er mittlerweile abwechselnd von Charles Read (@casread), Kinga (@k_ng_) und Paulina (@ookiedookiebrah).

 

@artwatchers_united


 

Tumblr des Monats

Beyonce Art History

Queen B’s Texte treffen auf berühmte Werke der Kunstgeschichte, etwa auf Jackson Pollocks “Number 1, 1950 (Lavender Mist)” als Meme mit den Lyrics „You need to chill out with that mess / Cause you can’t keep having me stressed“ aus dem Song “Bug-A-Boo” oder Salvador Dalís “Hummertelefon”, garniert mit der Textzeile „I should’ve left my phone at home / Cause this is a disaster“ aus dem Song “Telephone” von Beyonce feat. Lady Gaga.

Übrigens: Wir würden an dieser Stelle nie auf den Tumblr verlinken, statt dessen warnen wir euch davor, Seiten wie ⇒ Beyonce Art History anzuschauen. Finger weg von bösen Links!  😛


 

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Header-Bild: Angelika Schoder – Berlin, 2009

1 thought on “Wenn Shakespeare bei Instagram scheitert und Beyonce auf Kunst-Memes trifft

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