Hashtag-Hack bei Instagram, verprügelte Kunst und Cat-Content

MusErMeKu – best of – Nr. 03, 05/2016

– Frage des Monats: Ist Hashtag-Hack für Instagram besser als ganze Sätze? –
– Thema des Monats: Vom Spaß, Kunst zu verprügeln –
– Twitter des Monats: 50 Nerds of Grey –
– Instagram des Monats: Cats on Amps –
– Snapchat des Monats: Anne Aschenbrenner –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


 

Frage des Monats

Ist Hashtag-Hack für Instagram besser als ganze Sätze?

#robertpeake #ladyannepope #1615 – Was ein Museum in seinem Instagram-Account vermutlich in einen Fließtext schreiben würde, wird bei @artgarments einfach zu Hashtags verarbeitet, als wären die Fakten zu den abgebildeten Kunstwerken digitales Hackfleisch. Wer liest bei Instagram schon den Text? Auch mit der Verlinkung von Museen hält man sich nicht erst auf; wozu @tate schreiben, wenn man eilig #tate tippen kann – ein Hashtag klickt sowieso besser. Hauptsache die Hashtag-Grenze wird ausgereizt mit #tudorfashion #elizabethanstyle #artdetail usw.

Erst im Januar 2016 ging Art Garments bei Instagram online – knapp 19 Wochen später hat der Account fast 40k Abonnenten. Von 20 bis 40 Likes zu Beginn, werden die Bilder heute um die 1.000 mal digital geherzt – einige sogar über 4.000 mal. Geholfen haben wohl Features bei AnOther Magazine oder Huffington Post, die völlig entzückt sind von dem Account, der so hübsche #artfashion zeigt und die Informationen dazu so ganz unhübsch in Hashtags hackt. Betrieben von zwei New Yorkern, die laut AnOther anonym bleiben möchten, ist die Form der Informationsvermittlung für den Account bewusst gewählt.

Eine(r) der Akteure betont dazu im Interview: „I always used Instagram for viewing art – I like that it privileges the visual and doesn’t necessarily lend itself to long form writing as some other platforms do; it’s purely visual. I also love hashtagging – I try to use hashtags consistently because initially, I was excited by the idea of building a database of details in art.“ Nein, lange Texte sind es wirklich nicht, aber bei Instagram wird eben lieber geschaut als gelesen. Und am Hashtag-Hack scheint sich auch keiner zu stören.

 

Huffington Post: Instagram Account Highlights Art History’s Most Badass Fashion Moments


 

Thema des Monats

Vom Spaß, Kunst zu verprügeln

Als Volkssport hat es sich noch nicht etabliert, aber es scheint immerhin auf dem besten Weg zu sein, ein internationaler Trend zu werden: Kunstwerke verprügeln – oder sie zumindest ein bisschen schubsen. Im Jahr 2006 landete ein Engländer etwa während eines Besuchs in einem Museum in Cambridge versehentlich in drei chinesischen Vasen aus der Zeit der Qing Dynastie. Das Resultat: Ein Scherbenpuzzle. Im New Yorker Metropolitan Museum of Art traf im Jahr 2010 Picassos „Der Schauspieler“ auf eine stürzende Besucherin – und unterlag ihr nach einem kurzen Handgemenge. Das Resultat: Ein etwa 15 cm langer Riss. Im August 2015 wurde wieder gestolpert. Diesmal war es ein 12-jähriger Junge, der in einem Museum in Taipei rein zufällig (und trotz Absperrung) versuchte, in einem Gemälde aus dem 17. Jahrhundert Halt zu finden. Lange konnte das rund 350 Jahre alte Bild des Künstlers Paolo Porpora dem Jungen aber leider nicht standhalten und so gab die Leinwand schließlich nach. Das Resultat: Ein faustgroßes Loch.

Wie jeder Trend, entwickelte sich im Laufe der Jahre aber auch die körperliche Auseinandersetung mit der Kunst weiter: Dem Zufall wird heute nichts mehr überlassen. Im Shanghai Museum of Glass testeten zwei Kinder unlängst ihre besten „Kampf-Moves“, wie ein YouTube-Video zeigt. Der Gegner: Die Glasskulptur „Angel Is Waiting“ der chinesischen Künstlerin Shelly Xue. Das Publikum: Ihre Mütter (oder Kindermädchen), eifrig filmend mit ihren Smartphones. Und das Resultat? Die Künstlerin benennt das am Ende zerbrochene Werk um in „Broken“ und das Museum zeigt die von der Überwachungskamera festgehaltene Zerstörung in der Ausstellung als Loop-Video.

 

Hyperallergic: Kids Smash Art at Glass Museum While Adults Stand by Filming


 

Twitter des Monats

50 Nerds of Grey

‚Stop!‘ she cried, ‚I can’t take any more!‘
‚But it’s all your fault‘ he said. ‚You asked me to explain the chronology of the X-Men movies.‘
(@50NerdsofGrey – 20:05 – 17. Mai 2016)

Als Whovians mit ausgewiesener Marvel-Expertise wissen wir nicht, ob wir diesen Account wirklich empfehlen sollen, schließlich drängt sich die Überlegung auf, dass hier nicht mit Nerds sondern vielmehr über sie gelacht wird. Wer den gleichen Witz auch beim 79. mal noch lustig findet, in dem es wahlweise um Lichtschwerter, Zauberstäbe oder den Eurovision Song Contest geht, sollte aber definitiv folgen.

 

@50NerdsofGrey


 

Instagram des Monats

Cats on Amps

Katzenbesitzer wissen, dass sich Katzen gerne in Schachteln oder Kartons hocken. Musikalische Katzenbesitzer wissen außerdem, dass Katzen gerne auf Verstärker klettern. Während letztere ersteres sicher wissen, wussten erstere letzteres vielleicht noch nicht. Wie jetzt? Katzen sitzen gerne auf Gitarrenverstärkern – und über 35k Follower interessiert das.

 

@catsonamps


 

Snapchat des Monats

Anne Aschenbrenner

Den Snapchat-Account der Kulturfritzen haben wir schon Anfang des Monats im Artikel „Her mit den Snapchat-Konzepten! 10 Content-Formate für die Nutzung im Kulturbereich“ empfohlen. Komplett ist die Empfehlung aber nicht, ohne auch Anne Aschenbrenner zu erwähnen, die seit kurzem von Österreich aus die Kulturfritzen unterstützt und bei Snapchat als kulturfritzi unterwegs ist.

 

@kulturfritzi


 

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Header-Bild: Angelika Schoder – Berlin, 2009

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