Wrestlemania, Vantablack und das Grauen aus den 70ern

MusErMeKu – best of – Nr. 02, 04/2016

– Frage des Monats: Wie männlich sind knappe Höschen? –
– Thema des Monats: Selfie-Schreck mit Vantablack –
– Twitter des Monats: 70s Dinner Party –
– Instagram des Monats: Kaugummiautomat –
– Snapchat des Monats: Musik – mit allem und viel scharf –

Ein Newsletter, der kein Newsletter ist.


Frage des Monats

– Wie männlich sind knappe Höschen? –

Während besonders für das europäische Publikum die knapp bekleideten Akteure von Wrestlemania rein optisch eher weniger mit dem assoziiert werden, was gemeinhin unter „Männlichkeit“ verstanden wird, werden die Stars von WWE (World Wrestling Entertainment) in den USA als „harte Kerle“ wahrgenommen. Dahinter steht ein geschicktes Storytelling, wie der Historiker Andreas Enderlin in seinem Hypotheses-Blog Maskulinismus – Wann ist ein Mann ein Mann? diskutiert. Um jeden der im Wrestling agierenden Charaktere wird ein simpler und von den Zuschauern einfach nachvollziehbarer Plot entwickelt, komplett mit mehr oder wenigr umfangreicher Vorgeschichte sowie freund- und feindschaftlichen Verflechtungen. Gemäß den Regeln eines echten Storytelling wirken diese Plots und die darin agierenden Charaktere stark emotionaliserend – letztendlich, um das Publikum längerfristig an die Events zu binden und um den Verkauf von Merchandising anzukurbeln.

Aufgeteilt werden die Wrestling-Stories in Gut und Böse. Das Publikum wird emotional hin und her gerissen zwischen den Charakteren, die meist den Typus des „Face“ (gut) oder des „Heel“ (böse) verkörpern. Entsprechend ihrer zugewiesenen Rollen vertreten die Akteure positive oder negative Werte und folgen entsprechenden Handlungsweisen, etwa Fairness oder unfaires (Kampf-)Verhalten. Dem Thema „Männlichkeit“ kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu, wobei den „Guten“ auch eher positive Männlichkeitsmerkmale zugeschrieben werden, z.B. Furchtlosigkeit, während Feigheit (was als „unmännlich“ gesehen werden kann) den „Bösen“ zugeschrieben wird. Doch so unterschiedlich die Wrestling-Figuren aufgrund der ihnen zugeschrieben Eigenschaften auch sein mögen, in einem sind sie sich gleich: untenrum fällt das Outfit eher knapp aus.

⇒ Andreas Enderlin: Männer in engen Höschen – Storytelling durch Männlichkeiten bei World Wrestling Entertainment


Thema des Monats

– Selfie-Schreck mit Vantablack –

Alle Jahre wieder wird den Aprilscherzen ihre Daseinsberechtigung abgesprochen. Im Idealfall sind gut gemachte Aprilscherze aber nicht der müde Versuch, eine hanebüchene Story für wahr zu verkaufen, sondern ein Gedankenexperiment: Was wäre wenn? Dass das auch unter der Prämisse funktionieren kann, dass niemand den Scherz für wahr hält, aber der Gedanke an dessen hypothetische Wahrscheinlichkeit zur allgemeinen Erheiterung beitragen kann, zeigte jetzt am 1. April Hyperallergic mit einem Artikel über den Künstler Anish Kapoor.

Kein Scherz war, dass Kapoor sich wenige Wochen zuvor als Künstler die exklusiven Rechte am Material Vantablack gesichert hatte, das aus Kohlenstoffnanoröhrchen besteht und nur 0,035 % des einfallenden Lichts reflektiert. Dieser künstlerische Exklusivitätsanspruch auf Vantablack sorgte für Aufsehen und Ärger in der Kunstszene und es wurde bereits spekuliert, was Kapoor damit nun vorhabe. Würde er etwa seine riesigen Skulpturen nun mit dem Material beschichten lassen, damit diese wie gigantische Schwarze Löcher wirken würden? Kein abwegiger Gedanke und damit optimal für einen Aprilscherz.

Pünktlich zum 1. April vermeldete Hyperallergic daher prompt, dass Kapoors Skulptur „Cloud Gate“ in Chicago nun nicht mehr für reflektierende #artselfie Spielereien genutzt werden könnte – denn das Kunstwerk sei in Vantablack gehüllt worden. Im fiktiven Interview betonte der Künstler: „Whereas the sculpture was originally about play and surface appearance, I think the Vantablack version is more about introspection, about becoming disoriented, lost, and enveloped in an overwhelming void of nothingness.“ Und die Passanten? Die würden, so Hyperallergic, einfach so Selfie-besessen weitermachen wie bisher…

⇒ Hyperallergic: Anish Kapoor Coats “Cloud Gate” in the Darkest Black Known to Humanity


Twitter des Monats

– 70s Dinner Party –

Foodporn auf neuem Niveau! Wer genug hat von Hipster-Burger-Bildern, adrett angerichteten Açaí-Bowls oder den ewig langweiligen Kaffee-, Cappuccino- und Flat White-Fotos, wird hier fündig. Original 70s Rezepte, die einem den Magen umdrehen – garniert mit Originalfotos, die eine einzige Frage aufwerfen: Warum dachte man vor rund 40 Jahren, dass man so etwas essen sollte?

⇒ @70s_party


Instagram des Monats

– Kaugummiautomat –

Irgendwo zwischen #germangemütlichkeit, #lostplaces und #uglygermanarchitecture ist dieser Account angesiedelt, der sich einem einzigen Thema widmet: die trostlos-melancholische und eigentümliche Schönheit von Kaugummiautomaten einzufangen. So beschmiert, beklebt und verrostet wie sie an Häuserwänden lauern oder in der Gegend herumstehen, erinnern sie an die Zeit, als man diese Geräte noch selbst mit Pfennig-Münzen fütterte.

⇒ @Kaugummiautomat


Snapchat des Monats

– Musik – mit allem und viel scharf –

Das Phänomen Musik – mit allem und viel scharf muss man an dieser Stelle wohl kaum noch erklären.Das Team der mmauv’s, das mit dem #BayreuthFake die Festspielsaison 2015 erschütterte, zählt wohl zu den erfolgreichsten Snapchattern im Kulturbereich und es muss sich um einen Datenbankfehler handeln, dass sie bisher nicht in diesem ominösen „Snapchat-Powerranking“ auftauchen. Wahrscheinlich sind ihre Zugriffszahlen einfach zu hoch, um erfasst zu werden. Neue Follower haben sie daher eigentlich nicht nötig, ihr tut euch also nur selbst einen Gefallen, wenn ihr ihnen folgt.

⇒ @mmauvs


alle MusErMeKu – Nicht-Newsletter – im Überblick

Header-Bild: Angelika Schoder – Berlin, 2009

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.