„Silber & Gold“ im Museum für Wohnkultur in Basel

Was macht die Faszination für Silber und Gold aus? Mit dieser Frage befasst sich die aktuelle Ausstellung im Museum für Wohnkultur des Historischen Museums Basel, die noch bis zum 3. April 2016 zu sehen ist.

Gestaltet wurde die Ausstellung von der französischen Szenografin und Architektin Adeline Rispal, welche im „Haus zum Kirschgarten“ das Thema „Silber & Gold“ in wirkungsvollen Konzepträumen inszeniert. Die Architektur des historischen Gebäudes dient ihr dabei als wichtigstes szenorafisches Element – ein Ansatz, der sich wie ein roter goldener Faden durch die Ausstellung zieht.

 

Silber & Gold im „Haus zum Kirschgarten“

Das Museum für Wohnkultur in der Baseler Elisabethenstraße ist im sogenannten „Haus zum Kirschgarten“ untergebracht. Das Stadtpalais wurde zwischen 1775 und 1780 von Johann Ulrich Büchel für den Basler Seidenbandfabrikanten Johann Rudolf Burckhardt errichtet. Nach wechselvoller Geschichte gelangte es im Jahr 1917 in den Besitz der Nationalbank. 1951 wurde das Gebäude schließlich vom Historischen Museum Basel übernommen und zur neuen Heimat des „Wohnmuseums“.

Im Zentrum der Ausstellungen steht die Basler Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts, wobei auf eine Reihe von Spezialsammlungen zurückgegriffen werden kann, etwa auf die Porzellansammlung der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung, auf die Uhrensammlungen von Leni und Carl Nathan-Rupp und Eugen Gschwind sowie auf eine Sammlung wissenschaftlicher Instrumente, Basler Silber und Spielzeug.

Aktuell dreht sich die Sonderausstellung im Museum für Wohnkultur um Dekorations- und Gebrauchsgegenstände aus Silber und Gold. Hinter der Ausstellung steht die französische Szenografin Adeline Rispal, für die es eine große Herausforderung war, sich mit den Besonderheiten des historischen Gebäudes auseinanderzusetzen, wie sie im Interview mit Daniele Turini im Blog des Historischen Museums Basel verriet.

Zum einen musste sie berücksichtigen, dass die Räume im Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert über einen jeweils unterschiedlichen Charakter verfügen. Diese treten in Wechselwirkung zu den silbernen und goldenen Objekten, welche ihrer Meinung nach über eine ebenso starke und eigenständige Aura verfügen. Durch die Szenografie der Ausstellung war es Rispals Ziel, die tiefere Bedeutung und Komplexität der Ausstellungsstücke herauszustellen und letztendlich eine Wechselwirkung zwischen diesen, den Räumlichkeiten und den Besuchern zu schaffen.

 

Jahrhundertealte Tradition der Goldschmiedekunst

Die Ausstellung im Museum für Wohnkultur beginnt im Untergeschoss des Museums mit dem Thema „Gefunden und verwandelt“. Dominiert wird der Raum von einem großformatigen Wandmotiv, das eine Person zeigt, die sich mit ihrem Schatten gegen den Horizont abzeichnet. Das Motiv zeigt eine Strandszene, in der blauer Himmel auf spiegelndes Wasser trifft. Die Sonne am Horizont taucht die Szenerie dabei in goldenes Licht und lässt das Wasser silbern schimmern. Das Bild greift damit die Silber-und-Gold-Thematik auf ungewöhnliche Art und Weise auf.

Passend zum Wandmotiv ist in einer Vitrine maritimes Trinkgeschirr des Goldschmieds Ulrich II. Sauter (um 1900) zu sehen, etwa ein Gefäß in Schiffsform, das der Meeresgott Neptun auf den Schultern trägt und ein Nautiluspokal mit einer Nixe. Im ersten Raum geht es daneben aber eigentlich um das Vorkommen von Silber und Gold in der Natur und so sind auch die Edelmetalle auf Calcit, Granit oder Quarz ausgestellt.

Der zweite Ausstellungsraum steht in starkem Kontrast zum ersten. Während Saal 1 hell gestaltet ist, hat Saal 2 eine fast sakrale Atmosphäre. Es ist dunkel, doch der Raum ist in das flackernde Licht einer Vielzahl von (künstlichen) Kerzen gehüllt. Thematisch steht der Raum unter dem Leitmotiv „Göttliches Licht“ und befasst sich mit sakralem Kult und Spiritualität. Der Raum verweist auf die mittelalterliche Bischofsstadt Basel, in der die Goldschmiede-Meister besonders Gegenstände für den kirchlichen Gebrauch anfertigten. Auch auf den Münsterschatz wird verwiesen, der mit der Weihe des Basler Münsters 1019 begründet wurde.

Der Schatz überstand sogar die Reformation 1529, nach der die Kirchenschätze der konvertierten Basler Gebiete eigentlich eingeschmolzen wurden. Zu sehen ist etwa der „Eptinger-Kelch“ aus dem ersten Viertel des 13. Jhd., der als ältester erhaltener Messkelch des Basler Münsterschatzes gilt. Auch Objekte aus der Zeit nach der Reformation sind zu sehen, etwa große Weinkelche und Schalen für das Abendmahlsbrot. Zudem werden Basler Judaika aus dem 17. und 18. Jhd. ausgestellt.

 

Tafeldekorationen und prunkvolle Geschenke

Die Ausstellung setzt sich bis ins 1. Obergeschoss des Museums in Saal 3 fort. Unter dem Motto „Reflexionen“ ist hier eine Installation von Studierenden der HEAD, Genève – Hochschule für Kunst und Design zu sehen. Der Glanz von Silber und Gold wird hier aufgegriffen durch einen Verweis auf Wasser und seine reflektierende Oberfläche. Im Treppenhaus des Stadtpalais sind dazu runde Spiegel platziert, die den Raum und die Besucher reflektieren. Der Blick wird dabei von Spiegel zu Spiegel gelenkt und offenbart so einen ständigen Perspektivwechsel.

Saal 4 ist wieder eher dunkel gehalten. Ein großes Wandbild zeigt ein mittelalterliches Gemälde einer Tischgesellschaft. Vor ihnen wird ihre Tafel durch einen halbrunden Tisch ergänzt auf dem kostbare Gefäße und Tischaufsätze platziert sind – jedes der Objekte ist dabei von einem Glaszylinder umgeben, sozusagen kleine Einzel-Vitrinen. Der Raum befasst sich mit den „Basler Zünften“ – diese galten als besondere Förderer der Gold- und Silberschmiede-Kunst.

Neben Trinkgefäßen in symbolischen Formen, etwa der „Krähenbecher“ der Vorstadtgesellschaft zur Krähe von Johannes Brandmüller aus dem Jahr 1681, sind auch Meisterketten verschiedener Zünfte und moderne Zunftschatz-Gegenstände aus dem 20. und 21. Jhd. zu sehen, etwa ein Freundschaftsbecher der Zunft zu Hausgenossen von Andreas Ladner aus dem Jahr 2014.

An den Raum schließt sich Saal 5 an, der sich unter dem Motto „Ehrengaben & Geschenke“ dem Vereinswesen im 19. und 20. Jhd. widmet. Gezeigt werden hier Trophäen und Pokale, z.B. Schützenpreise oder Jubiläumsgeschenke. Saal 6 widmet sich dann (ähnlich wie Saal 4) dem Thema „Tafelfreuden“. Hier stehen besonders Becher, Trinkspiele und Kerzenleuchter im Zentrum – und zwar auf einer durch geschickt platzierte Spiegel endlos wirkenden Tafel. Gezeigt wird die Entwicklung von Trinkgefäßen des 16. Jhd. bis hin zur historischen Tischdekoration im 20. Jhd. Besonders faszinierend sind hier die Trinkgefäße in Tierform aus dem 16. und 17. Jhd. Ausgestellt werden etwa Becher in Eulengestalt, als Hahn, Drache oder Hirsch. Die Köpfe ließen sich oft zum Trinken jeweils abnehmen.

 

Luxus und Basler Tradition

Im kleinen Saal 7 sind daneben Dinge des „Privaten Luxus“ ausgestellt, hierzu zählen Schmuck, Accessoires, Schmuckdosen und Riechfläschchen. Durchquert man erneut Saal 6, gelangt man, dem Ausstellungsrundgang folgend, in Saal 8, der die „Gedeckte Tafel“ ins Zentrum stellt. Thematisiert wird die Esskultur des 18. Jhd. – jedoch auf ungewöhnliche Art und Weise: Der ovale Tisch in der Raummitte ist samt opulentem Kronleuchter von einem Eisenkäfig umgeben. Eine Luxustafel hinter Gittern sozusagen. Aus Silber und Gold waren hier neben dem Essbesteck auch Gefäße für Gewürze. Teller und Schüsseln waren hingegen aus Porzellan.

Saal 9 widmet sich im Anschluss daran „Den neuen Luxusgetränken“. In einem Regal, das an eine edle Laden-Präsentation erinnert, werden hier Kaffee-, Tee- und Schokoladen-Kannen aus dem 18. und 19. Jhd. ausgestellt. Jedes Getränk hatte dabei seinen eigenen Kannentyp.

Die Ausstellung findet im Anschluss daran ihr Ende in Saal 10, der sich wieder im Erdgeschoss des Museums befindet. Den Schwerpunkt bildet hier „Das Goldschmiedehandwerk“ und besonders die Faszination für die Technik, also Schmelzen, Gieße oder Gravieren – bis hin zu modernen Techniken wie Löten oder Vergolden mittels Elektrolyse.

 

 

Alles Gold, was glänzt

Was an der Ausstellung überzeugt, sind nicht nur die kostbaren Ausstellungsstücke, sondern vor allem die Beziehung, in die sie zum Raum gesetzt werden. Theoretisch hätte es gereicht, das Ambiente des historischen Stadtpalais für sich wirken zu lassen. Diese konventionelle Art der Präsentation wäre jedoch wohl sehr langweilig gewesen, da zahlreiche Kunstgewerbemuseen eben so verfahren. Das Museum für Wohnkultur hebt sich durch seine bewusste Inszenierung der Objekte in verschiedenen Themenräumen hiervon deutlich ab.

Der Szenografin Adeline Rispal gelingt es, die Exponate in einem spannenden, weil teils ungewöhnlichen Kontext zu zeigen, der dennoch nicht zu sehr von den Ausstellungsstücken ablenkt. Den Räumlichkeiten wird gerade genug Präsenz eingeräumt, um eigenständig zu wirken, aber auch um wiederum zum Kontext der Exponate beizutragen. Besonders auffällig ist dies in Saal 8, dem prunkvollsten Raum des „Haus zum Kirschgarten“ im Zentrum des ersten Stockwerks. Gerade dadurch, dass die gedeckte Tafel von einer Art Käfig umgeben ist, wird der Ausstellungsbesucher dazu herausgefordert, nicht einfach beiläufig am Tisch vorbeizulaufen, sondern neugierig in das Innere des Käfigs zu schauen und die präsentierten Gegenstände zu betrachten, als wären es exotische Vögel in einer Voliere.

Neben der Inszenierung von Objekten in Wechselwirkung zum Raum spielt besonders das Licht in der Ausstellung eine wichtige Rolle. Den Glanz der Ausstellungsstücke besonders hervorzubringen, stellte hier für Lichtdesigner Gregor Gallian sicher eine der größten Herausforderungen dar. In Saal 2, in dem es um eine sakrale Wirkung geht, ist dies besonders auffällig, denn hier bilden künstliche Kerzen (und das Licht, das durch die Durchgänge zu angrenzenden Räumen fällt) die einzigen Lichtquellen. Dies geht etwas zu Ungunsten der Lesbarkeit der Wand- und Objektbeschriftungen, sollte aber vertretbar sein, da so eine besonders stimmungsvolle Raumwirkung erzielt werden kann. Welche minutiöse Planung hinter dem Lichtkonzept des Raumes steht, kann im Blog des Historischen Museums Basel nachgelesen werden.

Die Ausstellung „Silber & Gold“ im Museum für Wohnkultur ist ein gelungenes Beispiel dafür, welche Wirkung exzellente Szenografie für ein Thema entfalten kann, das man in ähnlicher Form vermeintlich bereits aus zahlreichen Kunstgewerbemuseen kennt. Selten wurden historische Gold- und Silberschmiedearbeiten wohl so eindrucksvoll und ungewöhnlich inszeniert wie hier.

 

Museum für Wohnkultur / Historisches Museum Basel

Silber & Gold, 27.11.2015 – 03.04.2016
Weitere Informationen zum Museum

 

>>> Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Bloggerreise #Dubuffet / #LoveBasel. Die Reise wurde von der Fondation Beyeler, Art & Design Museums Basel / Basel Tourismus initiiert und finanziert.

Bilder: Angelika Schoder – Basel, 2016

 

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