Méliès und Monster im Museo Nazionale del Cinema

Der Facehugger lauert in einer Vitrine, gleich neben ihm ein ausgewachsener Xenomorph, das Alien das Lieutenant Ripley bisher in 4 Kinofilmen mehr oder weniger erfolgreich bekämpfte. Im Museo Nazionale del Cinema trifft man auf einige Monster der Filmgeschichte – von den grauenerregenden Kreaturen der Stummfilmzeit bis hin zu Darth Vader.

 

Die Geschichte des Film im Museum

Das Museo Nazionale del Cinema – das Nationale Kinomuseum im italienischen Turin zählt, nach eigener Aussage, zu den bedeutendsten seiner Art weltweit. Einzigartig wird es aber nicht durch seine Exponate aus der Welt der Technik, des Bühnenbaus, der Requisiten und Kostüme. Seine besondere Wirkung entfaltet das Museum durch sein Museumsgebäude – ein Turm mit dem Namen Mole Antonelliana. Das Gebäude überragt die Dächer der Turiner Altstadt und bietet von seiner Aussichtsplattform in der Turmspitze aus einen spektakulären Blick.

Bevor man die Aussicht genießen kann, muss man jedoch eine Fahrt mit einem frei schwebenden gläsernen Aufzug antreten. Schwindelfreie Besucher können den Blick in das Gebäude schweifen lassen; für Besucher mit Höhenangst heißt es aber wohl „Augen zu und durch“. Der Blick über Turin, mit dem man schließlich belohnt wird, ist es in jedem Fall mehr als wert. Alleine hierfür lohnt sich ein Besuch des Museums.

 

Der Mole Antonelliana

Der Mole Antonelliana gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt. Mit 167,5 Metern ist der Turm 11 Meter höher als der Kölner Dom und war damit bei seiner Fertigstellung im Jahr 1889 das zweithöchste begehbare Gebäude der Welt. (Das höchste war das Washington Monument mit 169,3 Metern.) Erbaut wurde der Turm ab 1863 nach Plänen des Turiner Architekten Alessandro Antonelli. Erst nach dessen Tod wurde das Gebäude fertiggestellt, das ursprünglich ein Auftrag der jüdischen Gemeinde in Turin war, konzipiert als Synagoge. Als die Kosten für den Bau immer weiter stiegen, wurde das entstehende Gebäude im Jahr 1877 von der Stadt Turin übernommen, um darin ab 1895 ein historisches Museum zur Epoche des Risorgimento einzurichten. Seit 2000 beherbergt das Gebäude das Museo Nazionale del Cinema.

 

Das Museo Nazionale del Cinema

Das Museo Nazionale del Cinema geht auf eine Idee der Sammlerin Maria Adriana Prolo aus dem Jahr 1941 zurück. 15 Jahre später, im Jahr 1956, eröffnete das Museum schließlich im Palazzo Chiablese in Turin, bevor es schließlich im Mole Antonelliana sein heutiges Zuhause fand. Die Ausstellungsfläche des Museums umfasst hier 3.200 m², verteilt auf 5 Stockwerke.

Der Innenraum des Mole Antonelliana wurde vom Schweizer Künstler François Confino zu einer Ausstellungsfläche umgestaltet, die sich an die Wände des Turms schmiegt. In der Mitte des Raumes befinden sich dunkelrot bezogene Kinosessel. Werden die Vorhänge zu den Fenstern im Turm geschlossen, kann sich hier der Besucher zurücklehnen und eine Lichtprojektion an der Kuppel des Turms genießen.

Hier ein kleiner Einblick in die Projektion „Vertical Dreams“

 

Der Ausstellungsrundgang

Das Museum ist stets eher dunkel – selbst wenn die Vorhänge zu den Turmfenstern geöffnet sind. Der Besucher befindet sich so in einer permanent gefühlten Kinoatmosphäre. Der Ausstellungsrundgang beginnt im Fuß des Gebäudes mit frühen Techniken des Bewegbilds wie Camera Obscura und Kaleidoskop – bis hin zu ersten Filmkameras. Filmpionier George Méliès wird hier ebenso gewürdigt wie die Brüder Auguste und Louis Lumière. Ein Highlight ist eine Vorführung des Lumière-Stummfilms „Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat“ aus dem Jahr 1896.

Angeblich sprangen die Zuschauer bei der ersten Vorführung erschrocken auf, weil sie dachten, es käme wirklich ein Zug. Ob das nun wahr ist oder nicht – das Museo Nazionale del Cinema jagt den Besuchern hier tatsächlich einen riesigen Schreck ein, denn im Anschluss an den Film öffnet sich die Leinwand und es fährt tatsächlich eine Lock auf den Besucher zu. Ein sehr gelungenes und witziges Element der Ausstellung, die generell sehr viele interaktive Elemente zum mitmachen und ausprobieren bietet und damit alle Altersgruppen anspricht.

Im Hauptsaal des Museums folgen dann verschiedene Filmgenres – dargestellt anhand exemplarischer Meisterwerke der Leinwand. Glamouröse Filmstars wie Marlene Dietrich, Humphrey Bogart oder Marilyn Monroe treffen hier auf bekannte Monster-Darsteller wie „Frankenstein“ Boris Karloff oder „Dracula“ Bela Lugosi.

Die Reihe setzt sich fort bis zu modernen Klassikern, die Filmgeschichte schrieben. Aufnahmen „hinter den Kulissen“ wechseln sich ab mit Filmplakaten, Musik- und Tonaufnahmen, Requisiten und Kostümen – und immer wieder Filmausschnitten.  Ob Helden der Kindheit, Stars der Jugend oder nerdige Klassiker: Jedes Fan-Herz schlägt hier höher. Das Museo Naziolale del Cinema ist eben mehr als ein Filmmuseum – es ist ganz großes Kino.

 

Museo Nazionale del Cinema

Fondazione Maria Adriana Prolo
Mole Antonelliana – Turin, Italien

Weitere Informationen zum Museum 

 

Bilder: Museo Nazionale del Cinema – Angelika Schoder, Turin 2010

2 Gedanken zu „Méliès und Monster im Museo Nazionale del Cinema

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Andrea,
      ich finde Turin wirklich wunderschön – und als Film-Fan gehört das Museum schon alleine inhaltlich zu meinen Lieblingsmuseen. Aber auch die Architektur macht es zu etwas ganz Besonderem. Irgendwann muss ich mal wieder hin!

      Viele Grüße, Angelika

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