Das Stadtmuseum Fürth Ludwig Erhard

Es gibt mindestens zwei Sorten von Klischees: Diejenigen, die durch Erfahrungen entstehen, welche sich im Leben von vielen Menschen wiederholt haben, und diejenigen, die einfach Vorurteile sind. Letztere sind unfair, da Gegenbeispiele meistens nur als „Ausnahmen, die die Regel bestätigen“ gesehen werden. Bei dieser Museumsempfehlung von MusErMeKu geht es um das Stadtmuseum Fürth und darum, dass es – aus meiner Perspektive – unter jeweils einem der genannten Klischees leidet.

 

Zwei Klischees zum Stadtmuseum Fürth

Erste Klischee: Man kann seinen Wohnort nur richtig kennenlernen, wenn man Besuch von Auswärts bekommt. Genau das ist mir mit diesem Museum passiert.

Der Fakt, dass ich das Stadtmuseum Fürth bis letztes Jahr nicht besucht hatte, liegt weder an der schwierigen Erreichbarkeit noch an der mangelnden Öffentlichkeitsarbeit der Institution. Ganz im Gegenteil: Das Museum befindet sich zwischen Hauptbahnhof und Rathaus, dadurch könnte es kaum einen zentraleren Standort haben. Dazu ist es durch eine Vielzahl an Werbung, Plakaten, Flyern und sogar durch eine Präsenz in Social Media kaum zu übersehen. Leider haben sich die meisten von meinen Freunden, die mich in Fürth besucht haben und Lust auf einen Museumsbesuch hatten, immer für das Jüdische Museum Franken entschieden. Aus diesem Grund musste das Stadtmuseum Fürth erst auf einen zweiten Besuch von Freunden warten.

 

Zweites Klischee: Die Annahme, lokale Museen wären ein Relikt aus der Vergangenheit, also staubige, langweilige und anachronistische Orte, die eher den Wert eines archäologischen Objektes besitzen und weniger den Wert einer kulturellen Institution.

Es stimmt zwar dass viele Stadt-, Regional- und Heimatmuseen wie der Sessel von Oma sind, bei dem sich keiner traut, ihn wegzuschmeißen. Man sollte aber die bemerkenswerte Kulturarbeit stets anerkennen, die an vielen dieser Orte geleistet wird. Fürth gehört zweifelsohne zu diesen Orten. Das Stadtmuseum an sich ist zwar modern, aber auf keinen Fall avantgardistisch. Es sticht aus der Menge der Stadtmuseen positiv hervor, weil es genau das tut ,was es soll. Der erste wichtige Aspekt ist die Raumnutzung: der einzelne Besucher wird sich hier nicht verloren fühlen, aber auch eine größere Reisegruppe hat in den Räumen genug Platz zum atmen. Das Foyer dient als Eintrittskasse, Café, Garderobe und Museumsshop. Die Atmosphäre ist hier, wie im Rest des Museums, einladend und gemütlich. Rechts befindet sich die Dauerausstellung und links ein großzügiger und durch bewegliche Wände verwandelbarer Raum für Sonderausstellungen.

 

Die Ausstellungsgestaltung

Die Dauerausstellung ist in zwei parallele Hälften geteilt: Der Hauptbereich stellt die Stadtgeschichte anhand einer chronologischen Linie graphisch dar. Diese erstreckt sich über die ganze mittlere Wand der Ausstellung. Die Dimensionen dieser Installation sind groß genug, dass sie sogar Bildmaterial, Vitrinen mit Exponaten und Bildschirme für Videomaterial beinhaltet. Die Zeitlinie ist auch ein Beispiel für noch einen positiven Aspekt der Ausstellung: eine klare Hierarchie der angebotenen Informationen. Dies erlaubt den Besuchern eine bessere Verwaltung der Zeit, die sie in den Ausstellungsrundgag investieren möchten, indem sie entscheiden können, wie vertieft sie sich mit einem Thema oder einer historischen Periode beschäftigen möchten.

Der Rest des Raumes ist mit Exponaten, Texten, Bildmaterial, Videoinstallationen usw. harmonisch besetzt. Diese Harmonie entsteht, indem die museographischen Strukturen klar definiert sind und trotzdem nicht monoton werden. Die Information fließt ohne zu langweilen. Die Narrative ist vielseitig genug, um die Aufmerksamkeit der Besucher zu bewahren. Die Ausstellung endet in der Gegenwart, auf einem Tisch mit mehreren Computern auf denen man die bereits in der Ausstellung ausführlich dargestellten Inhalte noch erweitern kann.

Auf der anderen Seite der Wand mit der chronologischen Linie werden eine Reihe von Exponaten gezeigt und erklärt. Diese gehörten zu einer, vor der Eröffnung dieser Dauerausstellung bereits existierenden, Ausstellung über die Geschichte von Handwerk und Industrie in Fürth. Diese Hälfte der Ausstellung hat eine etwas altmodischere Struktur, sie integriert sich aber in die Chronologie des Museums und funktioniert als eine interessante Zugabe für die Ausstellung.

Zwei weitere Elemente, die ich erwähnenswert finde, sind die vor kurzer Zeit realisierten Erweiterungen der chronologischen Linie bis zum Jahr 2014 – was den Eindruck bekämpft, die Ausstellung wäre etwas versteinertes – und die Geruchsstationen. Bei letzteren handelt es sich um keinen Witz, sondern um Kisten, die, einmal aufgemacht, einen für ein gewisses Thema passenden Geruch verströmen. Es kann banal klingen, aber solche analogen Interaktionen sind extrem praktisch, um die akademische Atmosphäre eines kulturhistorischen Museums kurz zu unterbrechen.

 

Ein Museumstipp

Fazit ist, dass die lange Zeit die ich brauchte, um das Stadtmuseum Fürth zum ersten Mal zu besuchen, das erste Klischee, das ich oben erwähnte, bestätigt: Meist muss man erst einen Anlass haben, wie den Besuch von Freunden, um seine unmittelbare Umgebung kennenzulernen.

Doch das Museum an sich widerlegt das zweite Klischee: Das Stadtmuseum ist kein überholtes Relikt. Es wurde offensichtlich eine große Investition für den Aufbau dieser Institution gemacht. Doch die Mittel wurden nicht verschwendet. Und, was sogar wichtiger ist, die Mittel sind nicht nach der Eröffnung des Museums gekappt worden. Viel zu oft werden Museen teuer gebaut und dann sofort vergessen, bis sie richtig staubig werden. Man spürt, dass dies nicht der Fall ist beim Stadtmuseum Fürth.

 

Bilder: Angelika Schoder, Fürth 2014

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