Hamburg twittert zur Langen Nacht der Museen

Die 15. Lange Nacht der Museen in Hamburg übertraf bei Twitter alle Erwartungen. Die Veranstaltung am 18. April 2015 stand unter dem Motto „Sammeln“, wobei die teilnehmenden Museen nicht nur Einblicke in ihre Sammlungen ermöglichten, sondern v.a. eines sammelten: Weit über 1.000 Tweets unter dem Hashtag #lndm15, die über große Leinwände (die sog. Twitterwalls) in vielen Museen flimmerten.

In diesem Jahr durfte ich für die Organisatoren der Langen Nacht der Museen Hamburg, die Stiftung Historische Museen Hamburg und den Museumsdienst Hamburg, wieder als „Nachtspatz“ unterwegs sein und unter dem Hashtag #lndm15 fleißig twittern.  Weit über 1.000 Tweets im Laufe der Veranstaltung übertrafen die Erwartungen bei weitem, denn noch bei der Veranstaltung im Vorjahr wurde das Hashtag #lndm14 „nur“ knapp über 700 Mal genutzt. Doch später mehr dazu…

 

Eine Nacht mit individuellem Konzept

Die Lange Nacht der Museen stand in Hamburg in diesem Jahr eigentlich unter dem Motto „Sammeln“, doch für MusErMeKu haben wir uns als Orientierungshilfe eine Museumsroute unter einem eigenen Konzept zusammengestellt: „Hamburg, Stadt am Wasser“. Ein Konzept erschien uns sinnvoll, denn die Museumsnacht bietet zu viele Möglichkeiten und Veranstaltungen, um den Überblick zu behalten. Um nicht planlos von einem Museum ins nächste zu eilen, haben wir passend zu unserem Konzept aus den 57 teilnehmenden Museen 4 Institutionen ausgewählt, die alle mehr oder weniger das Thema „Wasser“ aufgreifen und einen direkten Bezug zu Hamburg haben:

 

Das WasserForum von Hamburg Wasser

Wer Hamburg und seine Beziehung zum Wasser kennenlernen will, sollte sich mit der Frage beschäftigen: Wo kommt das Wasser für die Hansestadt her – und wo geht es hin? Hamburg verfügt über ein Leitungsnetz von über 5.000 km Länge, die Lage der Stadt direkt an der Elbe birgt für die Trink- und Abwasserversorgung der Bevölkerung aber so manche Probleme. Die Ausstellung im WasserForum widmet sich der Geschichte der Wasserversorgung in Hamburg bis hin zur Gegenwart, es geht um Wassergewinnung, aber auch um Abwasserentsorgung und Aufbereitung.

Mehr über das WasserForum

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Das Internationale Maritime Museum Hamburg

Die Geschichte Hamburgs ist eng mit der Seefahrt verknüpft. Wenn man dem Konzept „Hamburg, Stadt am Wasser“ also weiter folgt, ist der Besuch im Internationalen Maritimen Museum ein absolutes Muss. Auf rund 12.000 m² wird hier die Sammlung von Prof. Peter Tamm im historischen Kaispeicher B in der Hamburger Speicherstadt präsentiert. Das Museum wurde erst im Jahr 2008 eröffnet und ist szenographisch anspruchsvoll gestaltet, wobei das mit Holzböden in 10 „Decks“ gegliederte historische Gebäude allein schon einen Besuch wert ist.

Mehr über das Internationale Maritime Museum Hamburg

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Das Museum für Kunst und Gewerbe

Die Seefahrt – und damit auch Hamburg und sein Hafenviertel – sind eng mit der Geschichte der Tätowierkunst verbunden. Daher passt auch ein Besuch im Museum für Kunst und Gewerbe zur Museums-Tour „Hamburg, Stadt am Wasser“.  Das im Jahr 1866 gegründeten MKG widmet der Körperkunst nämlich aktuell eine Sonderausstellung mit dem Titel „Tattoo“. Das Museum zeigt hier vom 12. Februar bis zum 6. September 2015 rund 250 Werke aus dem späten 19. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart, darunter Fotografien, Video- und Klanginstallationen, Skulpturen, Gemälde und historische Präparate.

Mehr über das Museum für Kunst und Gewerbe

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Das Altonaer Museum

Die Museums-Tour unter dem Motto „Hamburg, Stadt am Wasser“ endet im Altonaer Museum, dessen Geschichte bis ins Jahr 1863 zurückreicht. Das Museum folgt einem universalistischen Ansatz; in den Ausstellungen geht es um naturkundliche, historische, kulturgeschichtliche und volkskundliche Aspekte des norddeutschen Raumes allgemein – aber stets mit einem besonderen Augenmerk auf den Stadtteil Altona. Aktuelles Highlight des Museums ist die Sonderausstellung „350 Jahre Altona. Von der Verleihung der Stadtrechte bis zur Neuen Mitte (1664-2014)“, die bis zum 11. Oktober 2015 gezeigt wird.

Mehr über das Altonaer Museum

 

Die Twitter-Analyse zur #lndm15

Die Organisatoren der Langen Nacht der Museen Hamburg nutzen seit ihrem Start bei Twitter unter @lndmhh, also seit 2013, ein Hashtag für die Veranstaltung. In diesem Jahr kam das Hashtag also bereits zum dritten Mal zum Einsatz – und zwar extrem erfolgreich. Verantwortlich für den Erfolg war sicher die gelungene Kommunikation. Zum einen war das Programmheft (wie schon in den Vorjahren) mit dem Hashtag #lndm15 versehen – mit einem Verweis auf die Facebook- und Twitter-Accounts zur Veranstaltung. Zum anderen wurde Twitter in diesem Jahr aber noch etwas prominenter in den Vordergrund gerückt, indem in vielen Museen Twitterwalls eingerichtet wurden. Aushänge machten zusätzlich auf die Aktion bei Twitter aufmerksam und gaben einen Überblick über die twitternden Museen in Hamburg.

Leider beteiligten sich nicht alle Museen aktiv bei der Langen Nacht der Museen via Twitter. Teilweise wurde das Hashtag #lndm15 nicht genutzt, meist von denen, die Twitter ohnehin nicht direkt nutzen, sondern ihren Account automatisch mit ihrem Facebook-Feed synchronisieren. Zu nennen sind hier z.B. das Museum für Völkerkunde oder das Bucerius Kunst Forum – hier kommen nur Fragmente aus Facebook bei Twitter an, das Hashtag fehlte komplett. Diese Museen haben auf eine wunderbare Möglichkeit verzichtet, mit dem Hashtag #lndm15 auf sich aufmerksam zu machen und potentielle Besucher über die Twitterwalls zu erreichen. Auch wenn diese Museen Twitter normalerweise nur als „Restehalde“ für ihre Facebook-Inhalte missbrauchen, hätte man hoffen können, sie nutzen zumindest die Lange Nacht der Museen, um aktiv unter dem vorgegebenen Hashtag zu twittern. Offensichtlich eine vergebliche Hoffnung…

Glücklicherweise gab es auch Museen, die ihre Twitter-Timeline zum Glühen brachten. Nicht nur die Mitarbeiter der Langen Nacht der Museen twitterten unter @lndmhh und interagierten mit Besuchern, auch Museen wie das Internationale Maritime Museum, die Hamburger Kunsthalle, das Deutsche Zusatzstoffemuseum oder das Medizinhistorische Museum leiste(te)n tolle Arbeit! Umso trauriger, dass die beiden letztgenannten Museen nur Twitter-Follower in zweistelliger Höhe haben – sie hätten deutlich mehr verdient!

 

Die Statistiken zu #lndm15

Wie schon im letzten Jahr zur #lndm14 habe ich auch für die #lndm15 das Analyse-Tool Topsy [1] genutzt, um einen Überblick über Twitter zu erhalten. In meinem Blogbeitrag „Twitternde Nachtspatzen bei der #lndm14“ habe ich bereits erwähnt, dass Topsy zwar einige Schwierigkeiten in der Genauigkeit der Erfassung hat, für eine generelle Erfassung von Hashtags und Mentions reicht es aber völlig aus.

Die Statistik zeigt, dass bis zum 20. April 2015, also 2 Tage nach der Langen Nacht der Museen und 1 Tag nach beendeter Gültigkeit des Tickets (das auch am Sonntag nach der Veranstaltung zum freien Museumseintritt berechtigte), das Hashtag #lndm15 über 1.300 Mal innerhalb der letzten 30 Tage genutzt wurde. Rund um die Veranstaltung waren es etwa 1.200 Tweets. Im Vorjahr wurden nur etwa 700 Tweets erreicht – im Gesamtzeitraum.

 

Suche zum offiziellen Hashtag #lndm15 (1.342 Nennungen) und den zwei häufigsten organischen Hashtags #lndmhh (29 Nennungen) und #lndmhh15 (8 Nennungen) - Screenshot Stand 20.04.2015

Suche zum offiziellen Hashtag #lndm15 (1.342 Nennungen) und den zwei häufigsten organischen Hashtags #lndmhh (29 Nennungen) und #lndmhh15 (8 Nennungen) – Screenshot Stand 20.04.2015

 

Auffällig ist, dass es fast nicht zur Nutzung von organisch gefundenen Hashtags kam, also von Hashtags, die sich Besucher selbst ausgedacht haben, wie etwa #lndmhh (29 Nennungen) oder #lndmhh15 (8 Nennungen). Das zeigt, wie gut das offizielle Hashtag kommuniziert worden war. Der Account der Veranstaltung @lndmhh wurde übrigens knapp 300 Mal erwähnt (d.h. rettweetet oder angeschrieben) – durchaus ein beachtliches Ergebnis, wird doch eine Steigerung von über 50% im Vergleich zum Vorjahr ersichtlich.

Wie wichtig ein Hashtag für eine Veranstaltung ist, zeigt sich auch an der Nennung des vollen Veranstaltungsnamens „Lange Nacht der Museen Hamburg“. Immerhin rund 100 Mal wurde diese Wortkette bei Twitter genutzt – bei 140 zur Verfügung stehenden Zeichen ist #lndm15 hier schon deutlich Twitter-freundlicher, kein Wunder dass es so mehr als 10 Mal so oft genutzt wurde!

 

Erwähnungen des offiziellen Twitter-Accounts @lndmhh (312 Nennungen), Erwähnung der Wortkette "Lange Nacht der Museen Hamburg" (98 Nennungen) und im Vergleich Nutzung des Hashtags #nachtdermuseen - einer gleichzeitig in Düsseldorf stattfindenden Veranstaltung (130 Nennungen)

Erwähnungen des offiziellen Twitter-Accounts @lndmhh (312 Nennungen), Erwähnung der Wortkette „Lange Nacht der Museen Hamburg“ (98 Nennungen) und im Vergleich Nutzung des Hashtags #nachtdermuseen – einer gleichzeitig in Düsseldorf stattfindenden Veranstaltung (130 Nennungen) – Screenshot Stand 20.04.2015

 

PS: Zeitgleich mit der Langen Nacht der Museen Hamburg fand am 18. April 2015 auch die Düsseldorfer Nacht der Museen statt. Diese Veranstaltung hatte kein offizielles Hashtag – Twitter-Nutzer entschieden sich daher organisch für das Hashtag #nachtdermuseen – dies wurde jedoch nur 130 Mal genutzt. Überzeugender könnte das Argument für ein offizielles Hashtag nicht ausfallen…

 

 

>>> MusErMeKu dankt den Organisatoren der Langen Nacht der Museen Hamburg für den freien Eintritt zur Veranstaltung im Rahmen der Nachtspatzen-Aktion.

Header-Bild: Angelika Schoder – Lange Nacht der Museen Hamburg 2015

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Fußnoten:

[1] Topsy wurde im Dezember 2015 deaktiviert – Siehe dazu: Leo Becker: Nach Übernahme durch Apple: Twitter-Suchdienst Topsy eingestellt, In: heise online, 16.12.2015

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2 thoughts on “Hamburg twittert zur Langen Nacht der Museen

  1. Wera Antworten

    Liebe Angelika,

    vielen Dank für Deinen wunderbaren Bericht über die Lange Nacht der Museen. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass man die Nacht auch thematisch erkunden könnte. Das Thema Wasser bietet sich in Hamburg natürlich an. Bislang bin ich immer planlos rumgerannt und habe mich treiben lassen. Das WasserForum scheint mir sehr spannend zu sein und ich merke es mir mal vor – guter Tipp. Es gibt noch so viele unerkundete Museen. Hach.

    Deine Twitterauswertung ist prima! Schön, so einen Vergleich zu haben. Es freut mich zu lesen, dass die Beteiligung im virtuellen Raum steigt. Aber ich hoffe, dass 2016 noch mehr geht! 😉

    Herzlichen Dank für Deinen Besuch im Maritimen Museum, ich habe mich sehr darüber gefreut!!!

    Liebe Grüße
    Wera

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Wera,

      eine Art „Themenroute“ kann ich nur empfehlen! Zumindest hat es mir geholfen, den Abend besser zu strukturieren als letztes Jahr – und ich habe das Gefühl, ich hätte die Zeit besser genutzt…

      Mich hat es sehr gefreut, dass dieses Jahr Twitter einen richtigen Sprung im Vergleich zum Vorjahr gemacht hat. Die Twitterwalls haben sicher zum Erfolg stark beigetragen! Und es war toll zu sehen, dass sich auch mehr Museen aktiv bei Twitter engagiert haben und auch bei Besuchern Beiträge geteilt, beantwortet oder kommentiert haben.
      Da auch an dieser Stelle nochmal ein Lob an das Internationale Maritime Museum, dass mit am aktivsten war! Du hast gezeigt, dass eine Mischung aus vorgeplanten Tweets zu Programmpunkten und aus live-Tweets vor Ort die perfekte Möglichkeit ist, Besucher auf ein Museum aufmerksam zu machen und emotional zu binden.

      Hoffentlich entscheiden sich nächstes Jahr dann auch die Twitter-Muffel unter den Hamburger Museen aktiv mitzutwittern – zumindest für die Lange Nacht der Museen für einen Abend!

      Viele Grüße
      Angelika

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