Museumsmarketing: Von Hollywood-Stars und Internet-Memes

Wenn es darum geht, Besucher für Ausstellungen zu begeistern, müssen sich Museen zunehmend etwas einfallen lassen. Genügten einst vielleicht noch Plakate und Berichterstattung in Print und Radio – idealerweise vielleicht sogar noch ein kleiner Beitrag im Fernsehen – darf es heute im Museumsmarketing gerne „ein bisschen mehr“ sein, um auf Ausstellungen aufmerksam zu machen.

 

Hollywood in Basel

Die Fondation Beyeler verspricht mit ihrer Paul Gauguin Ausstellung, die vom 8. Februar bis zum 28. Juni 2015 gezeigt wird, einen der „grossen europäischen Kulturhöhepunkte des Jahres 2015“. Um gebührend auf die Schau aufmerksam zu machen, die in einem YouTube-Video von Kurator Raphael Bouvier als die „wohl […] ambitionierteste, aufwändigste Ausstellung in der Museumsgeschichte“ bezeichnet wird, lud man zur Eröffnung den Schauspieler (Regisseur, Musiker, Autor etc.) Keanu Reeves ein.

Der Hollywood-Star hat selbst polynesische Wurzeln, was ihn in gewisser Weise mit dem Leben und Werk des Postimpressionisten Gauguin verbindet. Aus diesem Grund entschied man sich vermutlich für seine Einladung zur Ausstellungseröffnung, zu der er aus Gauguins Werk „Noa Noa“ las. Seine Anwesenheit sorgte selbstverständlich für große mediale Aufmerksamkeit und erheblichen Besucherandrang – schließlich ist es äußerst ungewöhnlich, dass ein Hollywood-Star eine Ausstellung eröffnet.

 

Keanu Reeves gewinnt das Internet

Das tatsächlich spannende an Keanu Reeves ist, dass er mehrere Zielgruppen anspricht. Während er in der allgemeinen Öffentlichkeit in erster Line als Hollywood-Star wahrgenommen wird, führt er im Internet ein zweites Dasein. Vermutlich recht unfreiwillig ist Keanu Reeves etwas gelungen, was nur Wenigen gelingt: Er ist ein Internet Meme.

Merriam-Webster Dictionary definiert ein Meme als „an idea, behavior, style, or usage that spreads from person to person within a culture“. Das Wort wurde 1976 vom Evolutionsbiologen Richard Dawkins in seinem Buch „The Selfish Gene“ geprägt. Im Internet wurde Dawkins’ Begriff schließlich abgewandelt. Olivia Solon fasst dies in ihrem Beitrag „Richard Dawkins on the internet’s hijacking of the word ‚meme’“, der bei Wired UK am 20. Juni 2013 erschien, folgendermaßen zusammen:

„… an „internet meme“ is a hijacking of the original idea and that instead of mutating by random change and spreading by a form of Darwinian selection, they are altered deliberately by human creativity. Unlike with genes (and Dawkins‘ original meaning of „meme“), there is no attempt at accuracy of copying; internet memes are deliberately altered.“

Zu den bekanntesten Internet Meme-Persönlichkeiten gehören etwa Grumpy Cat, Ryan „Hey Girl“ Gosling – und Keanu Reeves.

Folgende Keanu Reeves Memes sind bei knowyourmeme.com dokumentiert:

 

Museumsmarketing in der Fondation Beyeler

Letztendlich erweist sich Keanu Reeves für die Fondation Beyeler als Marketing-Glücksgriff, denn wie sich zeigt, funktioniert seine Popularität auf vielen Ebenen. Während einige sein künstlerisches Schaffen z.B. als Produzent zu schätzen wissen und andere ihn v.a. als Schauspieler aus Filmen wie „Speed“ oder „Matrix“ kennen, ist er besonders bei jüngeren Social Media Nutzern als Internet Meme beliebt. Man könnte behaupten, dass kaum eine andere Person so eine große Zielgruppe anspricht bzw. es vermag, so viele sehr unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen.

 

Die Bloggerreise #bsgauguinreise15

Das Museumsmarketing der Fondation Beyeler zur Gauguin-Ausstellung schließt – neben vielen anderen Veranstaltungen und Kommunikationsmaßnahmen – auch eine Bloggerreise am 14. und 15. Februar 2015 mit ein. Nachdem ich im November 2014 das Museum bereits im Rahmen der #kbreise14 besuchen konnte, bietet sich mir nun erneut die Gelegenheit, der Fondation Beyeler im Rahmen der #bsgauguinreise15 einen Besuch abzustatten. Teilnehmen werden Bloggerrinnen und Blogger aus der Schweiz und aus Deutschland – nur einer wird leider nicht mehr dabei sein: Keanu Reeves.

 

>>> Dieser Beitrag entstand im Vorfeld der Bloggerreise #bsgauguinreise15. Die Reise wird von Art & Design Museums Basel / Basel Tourismus initiiert und finanziert.

Foto: Angelika Schoder – Fondation Beyeler, 2014

8 thoughts on “Museumsmarketing: Von Hollywood-Stars und Internet-Memes

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  3. Tine Antworten

    Ach, ich mag knowyourmeme.com. Den Bezug zum Meme herzustellen ist witzig. Erinnert denn noch etwas vor Ort an Reeves Besuch? Und wurde auch noch etwas aus dem Nähkästchen verraten, z.B. wie der Kontakt zu Reeves zustande kam?

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo Tine,

      vor Ort habe ich nichts entdeckt, was an den Besuch erinnert – falls es ein Gästebuch mit Eintrag gibt, wurde das zumindest nicht prominent präsentiert… 😉
      Nach und nach werden ja in den Social Media Kanälen der Fondation die Beiträge zum Event veröffentlicht, insofern glamourt Hollywood da noch ein bisschen nach!

      Ich habe natürlich ein bisschen nachgefragt – besonders nach dem Interview bei YouTube:
      https://www.youtube.com/watch?v=ByVKueofLNo
      Das Interview kam erst ganz kurzfristig doch noch zustande und wirkt daher – zum Bedauern des Museums – sehr improvisiert. Dennoch sehe ich es für die Fondation als Glücksfall, denn über 5.000 views in 5 Tagen sind auch recht ordentlich!

      Das Museum ist sich übrigens auch des Meme-Daseins von Keanu Reeves bewusst, aber ein virales Marketing mit „Sad Keanu“ ist natürlich nicht möglich – auch wenn die Versuchung groß wäre… 😉
      Seine Publizistin achtet wohl relativ streng darauf, dass sowas nicht passiert und dass auch keine entsprechenden Fotos entstehen können. Er selbst ist ja auch nicht super-glücklich über das Phänomen:
      https://www.youtube.com/watch?v=zosLVVr0hi4

      LG Angelika

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    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Wera,

      ehrlich gesagt, war schon bei bei unserem Ausstellungsbesuch so viel los, dass ich dann doch gerne auf den Besucheransturm zur Keanu Reeves-Lesung verzichtet habe.
      Und wir hatten immerhin eine persönliche Kuratorenführung mit Raphael Bouvier – als Kulturblogger können wir damit sowieso mehr anfangen… 😉

      LG Angelika

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