Parasiten – Life Undercover im Naturhistorischen Museum Basel

Na, krabbelts schon? Die Ausstellung „Parasiten – Life Untercover“, die vom 24. Oktober 2014 bis zum 26. April 2015 im Naturhistorischen Museum Basel zu sehen ist, nimmt die Besucher mit in eine faszinierende Welt.

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„Niemand lebt wirklich allein. Zahlreiche Parasitenarten begleiten uns, saugen unser Blut und rücken uns auf den Pelz. Parasiten können Krankheiten und Verderben mit sich bringen und ihre Wirte zu willenlosen Sklaven der eigenen Interessen machen. Sie sind aber auch entscheidende Triebfedern der Evolution.“

Parasiten – Life Undercover

 

Bandwürmer und Bettwanzen im Museum

Das Thema der Ausstellung ist spannend gewählt, es provoziert und polarisiert – und fasziniert deshalb umso mehr. Hier kommt man Bandwürmern, Bettwanzen und Flöhen ganz nah, glücklicherweise aber auf eine rein wissenschaftliche und unterhaltsame Art und Weise. Die farbenfrohe Ausstellung, die Kinder ebenso wie Erwachsene anspricht, schafft es ausgezeichnet ihr Thema dem Besucher anschaulich zu vermitteln.

Die Ausstellung thematisiert, wo der Mensch in Berührung mit Parasiten kommt, wobei der Begriff „Parasit“ weit gefasst ist, denn es geht nicht nur um Insekten und Würmer, sondern auch um parasitär lebende Säugetiere, Vögel und Fische sowie um Viren, die Krankheiten und ganze Epidemien auslösen. Nur parasitäre Pflanzen und Pilze werden ausgeklammert.

Die Botschaft der Ausstellung lautet:

„Ob im Fell unserer Haustiere, auf Tropenreisen oder in ungekochten Speisen: Parasiten lauern überall.“

Dabei werden folgende Fragen in der Ausstellung diskutiert:

  • Welche verschiedenen Arten von Parasiten gibt es und wie ist ihr Lebenszyklus?
  • Machen Parasiten immer krank oder können ihre Fähigkeiten in der Medizin auch positiv genutzt werden?
  • Beeinflussen die Globalisierung und der Klimawandel die Verbreitung von Parasiten?
  • Wie kann man sich vor Parasiten schützen oder die durch sie verursachte Krankheiten bekämpfen?

 

Eine Wanderausstellung mit Schweizer Kooperation

Bei „Parasiten – Life Undercover“ handelt es sich um eine Wanderausstellung. Ursprünglich wurde die Ausstellung vom Museum für Naturkunde Berlin konzipiert; dort wurde sie auch erstmals vom 4. Mai bis zum 25. Juli 2010 gezeigt. Die gelungene inhaltliche Ausstellungskonzeption hat also das Berliner Museum zu verantworten. Das Naturhistorische Museum Basel hat nun zur Wanderausstellung einen zusätzlichen Ausstellungsraum hinzugefügt, um einen lokalen Bezug zu Basel herzustellen. Im neuen letzten Raum der Ausstellung werden nun aktuelle Forschungsinhalte des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) in Basel vermittelt. Anlass für diese Zusammenarbeit ist das 70. Jubiläum des Instituts und eben der Lokalbezug.

Das Swiss TPH in Basel widmet sich in Forschung und Lehre der Gesundheit in südlichen Ländern, aber auch in Europa und insbesondere der Schweiz und bietet hierzu verschiedene Dienstleistungen an. Im Zentrum der Forschung stehen Tropen- und sogenannte Armutskrankheiten, wie Malaria, Wurminfektionen, Tuberkulose, aber auch HIV. Das Institut bietet auch Beratung zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in verschiedenen Ländern an, so sind rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Swiss TPH in über 60 Ländern tätig.

 

Die Schwerpunkte der Ausstellung

Die Ausstellungskuratoren des Museums für Naturkunde in Berlin haben sich nicht nur bei der Konzeption, sondern auch bei der gestalterischen Umsetzung der Ausstellung einiges einfallen lassen, um das inhaltlich teilweise hoch komplexe Thema ansprechend umzusetzen – denn schließlich sind die meisten Exponate winzig klein.

Die Ausstellung beinhaltet zwar detailgenaue Modelle, wie eine um das 60-fach vergrößerte Stechmücke, und aufwändig präparierte Wirtstiere mit ihrem Parasiten, wie z.B. ein Schaf, das von einer Fledermaus gebissen wird, aber vor allem faszinieren doch die Plastinate von Parasiten, die nur wenige Millimeter groß sind. Dieser Einschluss in Acryl wurde als Konservierungsart gewählt, damit die Exponate unproblematisch mit der Wanderausstellung reisen können, sie ermöglichen aber auch einen ganz nahen Blick auf Würmer, Zecken und Co. Insgesamt sind 50 dieser in Resin konservierten kleinen Exponate in der Ausstellung zu sehen; diesen stehen 5 Parasiten-Modelle und 30 präparierte Tiere gegenüber, die meist das Parasiten-Wirtstier-Verhältnis in einer noch nie zuvor gezeigten Art und Weise veranschaulichen.

Das Museum für Naturkunde Berlin hat für die Ausstellung, laut Informationsplan, konzeptionell 10 Themenstationen vorgesehen. In Basel wird diese Aufteilung in 9 Bereichen übernommen:

  • Parasiten und Evolution
  • Anpassung
  • Reproduktionsstrategien
  • Parasiten bei Heimtieren
  • Klimawandel
  • Parasitosen des Menschen
  • Manipulationen
  • Wohltäter
  • Urbane Lebensräume

 

Die Ausstellungsgestaltung

Eine Wanderausstellung stellt jedes Gastgeber-Museum vor die besondere Herausforderung, die Kernausstellung so anzupassen bzw. die Exponate so in Szene zu setzen, dass etwas Eigenes bzw. etwas Neues entsteht. Diese szenografische Anpassung ist in Basel sehr gut gelungen. Die nun 6 Räume umfassende Ausstellung wurde von EMYL GmbH aufwändig gestaltet. „Parasiten: Life Undercover“ ist so in der Schweiz zu einer fröhlichen und bunt gestalteten Ausstellung geworden. Die vom Berliner Museum für Naturkunde konzipierten Inhalte wurden, wie bereits erwähnt, zudem durch die Präsentation der Arbeit des Swiss TPH ergänzt, wofür eine etwas andere Gestaltung gewählt wurde, die sich vom Rest der Ausstellung abgrenzt.

Während die übrige Ausstellung mit den Exponaten des Berliner Museums für Naturkunde in 5 Räumen leuchtend bunt gestaltet ist, ist der 6. Raum, in dem es um die Arbeit des Swiss TPH geht, in schlichtem, fast weißem Hellblau gestaltet. Zur Ausstellung wird der Raum durch ein Moskito-Netz abgegrenzt, die Rückwände des Raumes sind mit kleinen Löchern durchbrochen, die wahlweise an Einstichlöcher oder an Löcher im Moskito-Netz erinnern.

Auf einem großen Tisch sind mit Einstechkarten verschiedene Themengebiete markiert – diese lassen sich herausnehmen, damit auch Kinder die Karten lesen können, die nicht groß genug sind, um sich über den Tisch zu beugen. Auch Parasiten lassen sich hier betrachten – allerdings nicht in Acryl eingelassen dargestellt, wie in der Wanderausstellung. Hier sind kleine Tiere, wie z.B. Stechmücken, in den Tisch integriert und lassen sich so „unter die Lupe nehmen“.

 

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung

Zur Ausstellung „Parasiten – Life Undercover“ bietet das Naturhistorische Museum Basel ein umfangreiches Rahmenprogramm an. Sonntags finden stets Führungen statt, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums angeboten werden. Bei meinem Besuch der Ausstellung hatte ich das Glück, an einer Führung teilzunehmen, die von einem Experten des Swiss TPH durchgeführt wurde. Diese Expertenführungen werden immer am letzten Sonntag im Monat angeboten.

Für Schulklassen bietet das Naturhistorische Museum Basel zudem eine Fülle an pädagogischen Materialien an, wie etwa Arbeits- und Lösungsblätter, die sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zur Verfügung gestellt werden und auf Sekundarstufe I oder II abgestimmt sind. Die Materialien sind in Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern sowie unter Rücksprache mit einem Dozenten der Fachdidaktik Biologie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) entstanden. Auch Lehramt-Studierende konnten durch die Ausarbeitung der Lehrmaterialien Studienleistungen einbringen. Darüber hinaus werden, nach Vereinbarung, in Basel zwei verschiedene Schülerführungen angeboten, abgestimmt auf Klasse 6-9 oder ab Klassenstufe 10.

 

„Parasiten – Life Untercover“

24. Oktober 2014 bis 26. April 2015
Naturhistorisches Museum Basel

 

>>> Der Ausstellungsbesuch fand im Rahmen der Bloggerreise #kbreise14 statt, die von der Kunsthalle Karlsruhe, der Karlsruhe Tourismus GmbH sowie Art & Design Museums Basel initiiert und finanziert wurde. 

Bilder: Angelika Schoder – Basel, 2014

7 Gedanken zu „Parasiten – Life Undercover im Naturhistorischen Museum Basel

  1. Pingback: Gruppenreise mit Blog

  2. Vivi Antworten

    Liebe Angelika,
    toll, was du alles noch in Basel erlebt hast – während wir (fast) alle schon beim Glühwein angelangt waren 😉
    Scherz beiseite: jetzt bin ich mir umso sicherer, dass es sich definitiv lohnt, sich auf einer Kulturbloggerreise auch zu trennen und jeder für sich etwas Neues zu entdecken.
    Die Ausstellung sieht toll aus und aus deiner Beschreibung geht hervor: ein gutes Ausstellungskonzept kann fast jedes Thema unterhaltsam, spannend und fesselnd präsentieren. Übrigens: bei mir kribbelt’s jetzt auch schon! 😉
    Liebe Grüße und bis bald, wieder in Basel! Vivi

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Vivi,
      danke für deinen Kommentar – wobei ich gegen Glühwein auch nichts gehabt hätte! 😉

      Aber es stimmt schon: So schön es in der Gruppe bei einer Bloggerreise ist – sich teilweise auch zu trennen macht auf jeden Fall Sinn, weil man so am Ende nicht nur verschiedene Perspektiven hat sondern auch wirklich verschiedene Themen. Eigentlich hat ja auch jeder andere Interessen – in meinem Fall konnte ich bei der #kbreise14 so zwei meiner Lieblingsthemen in Museen besuchen: Jugendstil in Karlsruhe und Parasiten in Basel. (ok, das klingt jetzt komisch – besonders in der Kombination 😉 )

      Ich glaube, besonders letzteres hat die Reiseorganisation etwas geschockt, aber ich liebe Naturkundemuseen sehr und auf die Ausstellung hatte ich mich schon vor der Reise gefreut. Das zeigt aber auch, dass wenn Organisatoren einer Bloggerreise den Teilnehmern Freiheiten lassen, dass diese die Freiheit auch nutzen. Wahrscheinlich hätte sich Arts & Design Museums Basel gewünscht, dass wir uns eher auf eben Kunst- und Designmuseen konzentrieren. Wenn ich aber die freie Wahl habe, gehe ich meinen Interessen nach – und vielleicht aus alter Gewohnheit aus der Zeit als ich in London gewohnt habe – kombiniere ich selten zwei Kunstmuseen an einem Tag, sondern ergänze ein Kunstmuseum lieber z.B. mit einem Technik-, Geschichts- oder Naturkundemuseum. Sonst weiß man am Ende des Tages fast nicht mehr, was man wo gesehen hat.

      Also lange Rede, kurzer Sinn: Wenn Organisatoren einer Bloggerreise bestimmte Inhalte platzieren wollen, sollten sie dies im Programm festhalten. Denn wer die freie Wahl lässt, bekommt am Ende überraschende Ergebnisse. Beides hat seinen Reiz! 😉

      Viele Grüße und voller Vorfreude auf noch mehr Basel
      Angelika

  3. Tanja Neumann Antworten

    Liebe Angelika,

    da war ich so gespannt auf deinen Bericht über diese Ausstellung, und dann komme ich erst so spät dazu, ihn tatsächlich zu lesen. Danke dir vielmals für diese spannende Besprechung! Mein Thema sind Parasiten ja nicht so sehr ;-), aber objektiv betrachtet scheint es eine sehr sehenswerte Ausstellung zu sein.

    Deine Strategie, nicht zwei Museen derselben Art an einem Tag zu besuchen, verstehe ich absolut. Genau das hat mich an dem Sonntag auch davon abgehalten, mir noch ein Kunstmuseum anzuschauen – too much of a good thing.

    Liebe Grüße,
    Tanja

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Liebe Tanja,

      das Thema ist bestimmt für viele erstmal abschreckend, aber die Ausstellung ist so fröhlich und spannend gestaltet, dass sie auch Skeptiker überzeugt! Mein Tipp für den nächsten Basel-Besuch! 😉

      Viele Grüße
      Angelika

    • Angelika Schoder Autor des Beitrages

      Hallo,
      das stimmt – die Beziehung zwischen Parasit und Wirt ist oft hoch komplex, aber die Ausstellung schafft es das Thema sehr anschaulich aufzubereiten.
      Ich hoffe, die Wanderausstellung wird noch oft zu sehen sein.

      Viele Grüße
      Angelika

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