Das Jüdische Museum Franken

Im Rahmen der Blogparade „Mein Kultur-Tipp für Euch“ möchten wir hier ein Museum vorstellen, das außerhalb Frankens eher unbekannt ist, das aber einen Besuch definitiv lohnt: Das Jüdische Museum Franken.

Das Jüdische Museum Franken, das für die Jahre 2013/14 zum “Leuchtturmprojekt” des “Bayerischen Kulturkonzepts” des Freistaats Bayern ernannt wurde, umfasst drei Standorte: den Hauptsitz des Museums in Fürth, ein Museum in Schnaittach, das nur an Wochenenden geöffnet ist, und ein Museum in Schwabach, das zur Zeit neu gestaltet wird.

 

Das Jüdische Museum Franken in Schnaittach

In Schnaittach befand sich seit dem 16. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde; bis ins 19. Jahrhundert war der Ort Sitz des Rabbinats. Beim heutigen Museumsgebäude handelt es sich um die im Jahr 1570 erbauten Synagoge, zu der ein Rabbiner- und Vorsängerhaus sowie ein Ritualbad gehören. Die Einrichtung der Synagoge wurde während des Novemberpogroms 1938 fast vollständig zerstört; zu den wenigen noch erhaltenen Dingen gehört der steinerne Tora-Schrein. Im Museum ausgestellt werden Alltagsgegenstände und religiöse Objekte zur jüdischen Landkultur in Franken und Süddeutschland. Im gleichen Gebäude befindet sich das Heimatmuseum.

 

Das Jüdische Museum Franken in Schwabach

Das Museum befindet sich in einem ehemals jüdischen Wohnhaus, zu dem auch eine Laubhütte mit einzigartiger Wandmalerei aus dem späten 18. Jahrhundert gehört. Das Gebäude steht in der Synagogengasse; in der Umgebung befinden sich nicht nur weitere jüdische Wohnhäuser, sondern auch die alte Synagoge, das ehemalige Rabbinerhaus und die Talmudschule. Momentan ist das Museum geschlossen. Im Frühjahr 2015 soll hier eine neue Dauerausstellung eröffnet werden. Im Zentrum der Ausstellung soll das Leben einer kleinstädtischen jüdischen Gemeinde stehen.

 

Das Jüdische Museum Franken in Fürth

Auch das Museum in Fürth ist in einem ehemaligen jüdischen Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert eingerichtet worden. In der Dauerausstellung steht die fränkisch-jüdische Kultur im Mittelpunkt, vom Mittelalter bis hin zur Gegenwart. Der Standort Fürth spielt hier eine wichtige Rolle, da die Stadt vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert das religiöse Zentrum des Judentums in Süddeutschland war.

Ich besuchte den Hauptsitz des Museums in Fürth im Rahmen des Tags des offenen Denkmals am 14. September. Der Tag stand 2014 unter dem Motto „Farbe“ und das Museum in Fürth bot hierzu eine passende Führung mit dem Titel „Drei Farben: Grün, Blau, Gold. Jüdisches Leben und jüdische Feste sind bunt“ an.

Nicht nur der freie Eintritt an diesem Tag lockte mehr Besucher an, als das Museum scheinbar eingeplant hatte. Zur angekündigten Führung um 14 Uhr erschienen weit über 40 Personen – aufgrund der kleinen Räume werden Besuchergruppen üblicherweise eigentlich mit bis zu 20 Personen durch das Museum geführt. Spontan bot man eine zweite Führung um 15 Uhr an; dennoch schrumpfte die 14 Uhr-Führung kaum. Die Museumsführerin tat ihr Bestes, die große Besuchergruppe durch das Museum zu führen. Nach der 1-stündigen Führung wartete um 15 Uhr wieder eine fast ebenso große Besuchergruppe auf den zweiten Rundgang.

Auch wenn die „White Cube“-Gestaltung der Ausstellung Geschmackssache ist, da sie die historischen Räumlichkeiten stark verfremdet, ist das Museum sehr sehenswert, insbesondere die Laubhütte und das mit Grundwasser gespeiste Ritualbad.

Zum Blog des Jüdischen Museums Franken

 

Header-Bild: Angelika Schoder – Das Jüdische Museum Franken, Fürth 2014

9 Antworten auf „Das Jüdische Museum Franken“

  1. Liebe Angelika,

    sehr schön und ein ganz herzliches, zweifaches Dankeschön! Zweifach deshalb, weil du erstens bei meiner Blogparade mit dem Museumstipp mitmachst und zweitens, weil du mich so über das Museumsblog Nr. 81 informiert hast – wird sogleich aufgenommen!

    Falls du über weitere Museumsblogs „stolperst“, die nicht in meiner Museumsblogroll sind, wäre es klasse, du informierst mich darüber. Mehr Augen sehen mehr!

    Deine, nein, eure Reihe der Museumstipps finde ich superklasse und werde sie zukünftig verfolgen. Mir war nicht bekannt, dass es das Jüdische Museum Franken gibt, das drei Dependancen hat. Danke für den Hinweise!

    Herzlich,
    Tanja

    1. Liebe Tanja,

      dann erfüllt der Museumstipp ja erfolgreich seinen Zweck – und das, wie du schon schreibst, gleich doppelt – mit Blogtipp inklusive.

      Die Beteiligung an der Blogparade ist jedenfalls eine schöne Möglichkeit, den Museumstipp auch nochmal über die Leser des MusErMeKu-Blogs hinaus bekannt zu machen – danke für die Möglichkeit!

      Und sollten wir einen Museumsblog entdecken, der noch in deiner Blogroll fehlt, erstatten wir natürlich umgehend Meldung! 😉

      Viele Grüße
      Angelika

    1. Hallo Angelika,
      dann hab ich die Ausstellung in Hamburg schon gesehen. Zu deiner letzten Frage: Die Ohel-Moishe-Synagoge bildet das Zentrum des Museums. Sie ist eine voll ausgestattete Synagoge. In einem weiteren modernen Gebäude sind einzelne Schicksale anhand von Fotos, Dokumenten und Gegenständen aus dem Besitz der Flüchtlinge dargestellt. Die Räume sind niedrig und düster. Ein beklemmendes Gefühl, hindurchzugehen, auch wenn es ja eigentlich positive Geschichten sind.

    2. Hallo Ulrike,

      danke für deine Eindrücke aus der Synagoge bzw. aus dem Museum. Ich hatte mir die Bilder auf der von dir verlinkten Homepage angeschaut und die wirkten auf mich schon sehr beengend. Ich hatte gehofft, dass das nur auf den Bildern so wirkt, aber wenn auch du als Besucherin beklemmende Gefühle hattest, dann ist der Eindruck also ganz richtig. Wie du schon sagst – sehr schade, da es doch um ein positives Thema geht.

      Viele Grüße
      Angelika

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