Ein Rückblick zur Neueröffnung des Imperial War Museum London

Nach monatelanger Umbauzeit wurde am 19. Juli 2014 das Imperial War Museum in London neu eröffnet. Das Gebäude wurde vor allem in seiner inneren Baustruktur stark verändert – ein guter Anlass für einen Rückblick…

 

Die Neueröffnung des Imperial War Museum

Im Zentrum der Neueröffnung stehen inhaltlich die „First World War Galleries“ und die Kunstausstellung „Truth and Memory: British Art of the First World War“. Mit beiden Ausstellungen begeht das Imperial War Museum das 100. Jubiläum des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges, einem Thema dem sich 2014 fast kein Museum zu entziehen vermag. 

Um die Umbauarbeiten des Museum zu begleiten, wurde eigens der Blog „Transforming IWM London“ eingerichtet. Der Blog startete im April 2012 und begleitete die Entstehungshintergründe der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, welcher eng mit der Geschichte des IWM verbunden ist – schließlich wurde das Museum während des Krieges gegründet, um die Erinnerung an den „Great War“ für die Nachwelt zu bewahren. Die Blogbeiträge reichen von der Vorstellung pädagogischer Projekte bis hin zu Videos der Umbauarbeiten.

 

Der Umbau des Museums

Der Umbau des IWM in den letzten Monaten reiht sich ein in eine Abfolge mehrerer inhaltlicher und gebäudetechnischer Maßnahmen der Umstrukturierung, die das Gebäude über Dekaden hinweg immer wieder durchlief. Besonders erwähnt werden sollen an dieser Stelle die Maßnahmen, die ab 1986 am und im Museum durchgeführt wurden, da sie starke Parallelen zur jüngsten Umgestaltung des Museums aufweisen.

Auch damals stand der Ausbau des Innenhofs des Gebäudes im Mittelpunkt, um die Ausstellungsfläche für historische Großobjekte sowie für die archivalischen Sammlungen zu erweitern. Zudem wurden im Zuge dessen im Untergeschoss des Museums neue Dauerausstellungen zum Ersten und Zweiten Weltkrieg geplant. Als Ergebnis entstanden Ende der 1980er Ausstellungen zu den beiden Weltkriegen, die für das IWM über 20 Jahre lang zu den meistbesuchtesten Ausstellungen des Museums zählten:

 

Die Ausstellungen zu den beiden Weltkriegen

In der 1990 eröffneten „First World War Exhibition“ wurde der Besucher durch eine Reihe verschiedener Kriegsschauplätze geführt, welche durch eine umfangreiche Sammlung verschiedener zeithistorischer Gegenstände dargestellt wurden.  Begleitend wurde in einem Nebengang die „Trench Experience“ gezeigt, in der der Besucher durch die mit uniformierten Puppen sowie Licht- und Geräuscheffekten gestaltete Nachstellung eines Schützengrabens gehen konnte.

An den Abschnitt zum Ersten Weltkrieg schloss sich die Ausstellung zur Zwischenkriegszeit an, die „Inter War Years“. Darauf folgte die 1989 eröffnete „Second World War Exhibition“, welche durch die „Blitz Experience“ ergänzt wurde. Hier konnte der Besucher im Rahmen einer Führung an einer akustischen, visuellen und sensorischen Inszenierung eines Luftangriffes teilnehmen. [1] 

 

Die Überarbeitung der Ausstellungen

Heute, über 20 Jahre später, waren die Ausstellungen zum Ersten und Zweiten Weltkrieg jedoch dringend überarbeitungsbedürftig, was nicht verwundert wenn man bedenkt, dass die Konzeption der Ausstellungen Ende der 1980er Jahre erfolgte. Die aktuellen Umbaumaßnahmen des Museums wurden daher zum Anlass genommen, die Ausstellungen zu schließen und ein zeitgemäßes Konzept zur Darstellung der beiden Weltkriege zu erarbeiten.

Im Zuge der Neukonzeption der „First World War Galleries“ wurden nun multimediale Komponenten stärker mit einbezogen. Das Multimedia-Team arbeitete hierzu eng mit den Ausstellungskuratoren und Gestaltern zusammen, „to ensure that we use the most appropriate digital technology to tell the stories of the First World War in new and thought-provoking ways”, wie es Jo Saull im Blog des Museums beschreibt. [2] Die in der bisherigen Ausstellung präsentierte „Trench Experience“, wird nun in der neuen Ausstellung vom Abschnitt „Life at the Front“ ersetzt. Multimediale Elemente nehmen hier eine zentrale Position ein, wie es seitens des Museums heißt:

„Digital technology will bring the trench to life, giving visitors a sense of the conditions, events and activities that might have been experienced by troops. You’ll be able to experience thunderstorms, gas attacks or maybe just a brew being made.” [3]

In anderen Ausstellungsabschnitten kommen weitere multimediale Elemente zum Einsatz, beispielsweise eine interaktive Karte zum Kriegsverlauf oder interaktive Animationen zur Versorgungslage an der Front.

 

Die Holocaust Exhibition im Museum

Neben einer inhaltlichen Überarbeitung hat sich das Museum auch in seiner Baustruktur stark verändert. Besonders das Herzstück des Museums – das Atrium – wurde einem deutlichen Umbau unterzogen.

Die Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg wird zur Zeit noch überarbeitet und erst in einigen Jahren wieder neu eröffnet. Bis dahin wird der Zweite Weltkrieg im Imperial War Museum in Form der Ausstellung „A Family in Wartime“ präsent sein, einer Ausstellung die die Heimatfront aus Sicht der Familie Allpress beleuchtet. Mit der Neueröffnung des Imperial War Museum wurde zudem auch die „Holocaust Exhibition“ wieder eröffnet, welche die nationalsozialistischen Verbrechen vor und während des Zweiten Weltkrieges thematisiert. Diese Ausstellung nimmt damit gegenwärtig im Museum eine noch wichtigere Position ein als zuvor, da sie – in Ermangelung einer eigenständigen „Second World War Exhibition“ – als Hauptanlaufpunkt für Besucher dienen wird, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg im Imperial War Museum auseinandersetzen wollen.

 

Header-Bild: Imperial War Museum – Angelika Schoder, London 2010

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Fußnoten:

 

[1] Dazu: Angelika Schoder: Die Vermittlung des Unbegreiflichen. Darstellungen des Holocaust im Museum, Frankfurt a.M. 2014, S. 73f.

[2] Siehe: Jo Saull: What to expect in our new First World War Galleries, In: Transforming IWM London

[3] Ebd.

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