„Die ganze Wahrheit“ im Blog des Jüdischen Museums Berlin

Immer mehr Museen in Deutschland entscheiden sich dazu, einzelne Ausstellungen, Veranstaltungen oder ihren allgemeinen Museumsbetrieb mit einem Blog zu begleiten. Auch das Jüdische Museum in Berlin gibt im Blogerim – Aus dem Alltag des Jüdischen Museums Berlin einen Einblick in den Museumsbetrieb, beispielsweise zur Ausstellung „Die ganze Wahrheit …“.

 

Die ganze Wahrheit im Jüdischen Museum Berlin

Aktuell werden im Blog des Museums Fragen zur Ausstellung „Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten“ beantwortet. In der Sonderausstellung, eine Kooperation des Jüdischen Museums Berlin mit dem Jüdischen Museum Hohenems, werden vom 22. März bis 1. September 2013 häufig gestellte Fragen rund um das Judentum thematisiert. Das Museum stellt sich „den FAQs, den schwierigen, den lustigen, den klugen und denen, die man eigentlich nicht beantworten kann.“

Die Ausstellung umfasst beispielsweise die Filminstallation „Ask the Rabbi“, hier wurden sechs Rabbiner und eine Rabbinerin, die alle in Deutschland amtieren, mit Fragen konfrontiert und ihre Antworten für die Ausstellung gefilmt. Die Antworten, die der Ausstellungsbesucher in der Installation von den Rabbinern erfährt, sind entsprechend vielschichtig – denn die Befragten repräsentieren ein breites Spektrum religiöser Strömungen: von orthodox bis liberal, von konservativ bis progressiv.

Ein ganz besonderer Bestandteil der Ausstellung sind „Juden in Vitrinen“. Das Museum beantwortet so die Frage „Gibt es noch Juden in Deutschland?“ auf sehr ungewöhnliche Art und Weise. Beispielsweise über Twitter informiert das Museum mit den Hashtags #RealJew und #GanzeWahrheit regelmäßig darüber, wer aktuell in der Vitrine Platz nimmt.

Der Besucher – und vor allem derjenige, der eine Frage stellt – bekommt eine individuelle Antwort, je nachdem welcher Ansprechpartner gerade in der Vitrine sitzt. Das Museum bietet durch den Blog den Ansprechpartnern aus der Vitrine zusätzlich auch die Möglichkeit, einem breiteren Publikum von den Erfahrungen als „Ausstellungsbestandteil“ zu berichten. Die Journalistin Olga Mannheimer schreibt beispielsweise in ihrem Beitrag vom 9. April 2013:

„Die Besucher gehen vorbei und wir beobachten uns gegenseitig. Viele lesen den Wandtext, werfen mir einen Blick zu und huschen davon. Einige bleiben stehen, in sicherem Abstand. Ich räuspere mich, lächele einladend, deute auf den Button an meiner Bluse »Ask me, I’m Jewish«.“

Olga Mannheimer wurde in der Ausstellung sogar als „Museumsexponat“ ausgewiesen – ihre Beschriftung am Schaukasten lautete „Spezies: Diasporajüdin, Subspezies: Osteuropajüdin, Variante: Bananenjüdin“. Sie berichtet in ihrem Blog-Beitrag von Fragen, mit denen sie in der Vitrine konfrontiert wurde – erst einzelne, zögerliche Fragen und schließlich ein ganzes Meer an Fragen, die aus verschiedenen Richtungen auf sie zukamen. Sie schreibt auch darüber, wie die Vitrine – oder der „Infostand“, wie sie es treffender nennt – zu einem Austauschpunkt auch für Besucher untereinander wurde.

Von diesem Phänomen berichtet auch Signe Rossbach in ihrem Blog-Beitrag vom 19. April 2013. Die Kuratorin für Veranstaltungen am Jüdischen Museum Berlin bezeichnet es als „die besten Momente“, in denen die Besucher nicht nur darüber diskutierten, wie es ist in Deutschland Jüdisch zu sein, oder ob es nicht merkwürdig ist, in der Glasvitrine zu sitzen. Stattdessen wurde über alles Mögliche diskutiert – von Wagner bis zum Wetter.

 

Alle Blog-Beiträge zur Sonderausstellung „Die ganze Wahrheit“ im Blogerim

 

Header-Bild: Angelika Schoder – Jüdisches Museum Berlin, 2009

1 thought on “„Die ganze Wahrheit“ im Blog des Jüdischen Museums Berlin

  1. Martin S Antworten

    Ich finde das Konzept recht interessant. Die individuellen Antworten zeigen auch ganz klar, dass es nicht ‚den‘ Juden gibt. Vielleicht hilft es ja tatsächlich bei einigen Menschen Vorurteile und Stereotypen zu besiegen.

    Martin.

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